Valery Gergiev und die Philharmoniker mit Anton Bruckners Symphonie Nr. 8 im Gasteig

Der Komponist wünschte sich „womöglich“ drei Harfen. Die bekommt er nicht von jedem der hiesigen Orchester, aber von Valery Gergiev und den Münchner Philharmonikern. Dazu Bläser-Verstärkungen und den ungewöhnlich satten Klang von zehn Kontrabässen.

Das Ergebnis widerspricht bei Anton Bruckners Symphonie Nr. 8 ein wenig Gergievs bisherigem Ansatz. Der zielte auf dramatische Schärfung. Bei der Achten interessiert den Dirigenten mehr das Erhabene über einem drohenden Unterton, für den die Bässe und das Tuben-Quartett sorgen.

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Das Sakrale spielt bei Gergiev eine geringe Rolle, bei ihm schwingt eher die Aura antiker Tragödie mit. Düsternis überschattet bereits das unruhige Hauptthema des ersten Satzes. Später kämpft der Solo-Flötist wie ein Ertrinkender im Ozean gegen apokalyptische Trompeten-Fanfaren. Dergleichen erscheint an diesem Abend nicht als ein Problem der Klang-Balance, sondern als interpretierende Absicht, die durchaus zum Grundkonzept passt, in der eine geheime Übermacht alle individuellen Regungen erstickt.

Finster und bedrohlich wirkt die Musik bis zum Schluss. Selbst der Harfen-Glanz im Trio des Scherzos klingt bei Gergiev vergiftet. Auf den strahlenden Durchbruch nach C-Dur auf dem Höhepunkt des Adagios folgt unmittelbar beim Einsatz der Streicher ein Absturz in einen schwarzen Abgrund, den so schockierend bisher kaum ein Dirigent zuvor herausgearbeitet hat.

Das Finale wirkte danach fast konventionell. Gergiev betont mit den hervorragend disponierten und sehr körperlich spielenden Philharmonikern viele aufregende Details. Aber er verliert sich nicht darin. Ein ziemlich rasches, nur leicht variiertes Grundtempo stellt den großen Bogen her und unterstreicht die inneren Konflikte der Musik.

Aber letztlich ist der Chefdirigent der Münchner Philharmoniker bei Bruckner ein Suchender. Das macht seine Deutungen mit ihren Ecken und Kanten interessanter als jene anderer Dirigenten, die sich bereits im Besitz der Wahrheit wähnen.

Gergiev dirigiert Bruckners Achte wieder am 21. September um 20 Uhr im Gasteig