Münchner Philharmoniker Der Frühstücksdirektor

Der 1930 in der Nähe von Paris geborene Lorin Maazel war einmal ein Perfektionist - und das Geheimnis ewiger Jugend scheint er auch zu kennen. Foto: dpa

Lorin Maazel und das Orchester der Stadt mit Prokofjew und Brahms in der Philharmonie

 

Der Terminplan des Maestro ist kein Geheimnis: Unter www.maestromaazel.com steht er im Internet. Demnach hat der Chefdirigent der Münchner Philharmoniker am Sonntag Wagners „Ring ohne Worte“ in Peking dirigiert. Am Montag dürfte er nach München geflogen sein. Das aktuelle Programm mit dem Orchester der Stadt am Mittwochabend kann Lorin Maazel demnach höchstens von Dienstag bis Mittwochmittag geprobt haben.

Und so hörte es sich auch an. Nur Sergej Prokofjews Violinkonzert Nr. 2 wirkte einigermaßen sorgfältig vorbereitet. Janine Jansen spielte mit Elan und Geschmack und viel Kraft im letzten Satz. Die kühl konstruierte, stählerne Kantilene im Andante assai nahm sie zart zurück, der Schluss des Satzes mit der Auflösung der Melodie gelang der Geigerin exemplarisch.

Davor gab es die knalligsten Sätze aus Prokofjews „Romeo und Julia“. Der vielgelobte dunkle Klang des Orchesters der Stadt passte wunderbar, das Blech trumpfte auf. Dem scharf abgebremsten Schlussakkord und den diversen Tempoübergängen hätten aber ein paar Wiederholungen bei Proben durchaus gut getan.

Die Zweite von Johannes Brahms haben die Philharmoniker natürlich drauf. Und das Spontane hat da gewiss auch seinen Reiz. Aber alle Details der Aufführung schienen dem Zufall und der jeweiligen Tagesform überlassen. Am Beginn der Symphonie wählte sich jede Gruppe das bequemste Mezzoforte, obwohl für alle Piano vorgeschrieben wäre. Der erste Forte-Einsatz des Themas im Finale klang so ungeschlacht und derb, wie der Forte-Einsatz eines jeden Orchesters ohne Probe klingt.

Lorin Maazel verwechselt sein Amt mit dem Posten eines Frühstücksdirektors. Sein vom Orchester gewählter Nachfolger Valery Gergiev trägt zwar seit kurzem den von Vladimir Putin verliehenen Titel „Held der Arbeit“. Aber den hat er sich auch nicht bei Proben verdient, sondern als Manager in eigener Sache. Die Philis, allesamt erstklassige Musiker, sind zum Höchsten fähig, wenn sie gefordert werden. Leider führen unter ihnen die Bequemen gegenwärtig das große Wort.

 

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