Münchner Philharmoniker Anja Harteros und Valery Gergiev mit Wagner

Die 1972 in Bergneustadt geborene Sopranistin Anja Harteros ist eine der besten Wagner- und Strauss-Interpretinnen der Gegenwart. Foto: Borggreve

Valery Gergiev und die Münchner Philharmoniker mit Wagner und Strauss im Gasteig

Selbst, wenn sie alles unterschiedslos gleich singen würde, ohne jede Phantasie, und vom Text wäre keine einzige Silbe zu verstehen – man könnte dennoch nicht das Ohr von Anja Harteros abwenden, einfach, weil ihre Stimme so wunderschön ist.

In Richard Wagners „Wesendonck-Liedern“ können die hohen Töne wie silbrig umhüllt einherschweben oder sich fraulich-sinnlich verschwenden, und es ist gegenüber Kolleginnen fast schon ungerecht, dass Harteros darüber hinaus die Sprache lustvoll auskostet und die Linien einfallsreich gestaltet. Allein, welche weiten Strecken sie auf einen Atem nehmen kann! Sie scheint für diese Gesänge wie geschaffen, weil sie auch die vom Komponisten geforderte Tiefe der Stimme hat, die sensationell farbreich und perfekt abgerundet den Raum der Philharmonie einnimmt. Ein Traum.

Löbliche Sensibilität

Auch Valery Gergiev und die Münchner Philharmoniker können gar nicht anders, als Frau Harteros wie hypnotisiert zu lauschen. Sie steuern Felix Mottls ohnehin schon feinsinnige Orchestrierung der „Wesendonck-Lieder“ so vorsichtig und zart bei, als wollten sie sicherstellen, dass sie selbst währen des Spielens noch jede Nuance des Gesangs mitbekommen.

In den beiden übrigen Werken wird diese löbliche Sensibilität noch ergänzt durch ein geradezu körperlich intensives Musikmachen. In der Tondichtung „Francesca da Rimini“ von Peter Tschaikowsky erglühen die Streicher förmlich, das Holz und eine schicksalshafte Pauke schildern markerschütternd das Heulen und Zähneklappern, das Klarinettensolo fesselt in seinem resignierten Stillhalten. Gergiev entwickelt all diese Ereignisse mit einer solchen Konsequenz, dass die Hörer in einen tragischen Sog hineingezogen werden, in welchem auch die Übergänge die Spannung halten.

Ein Markenzeichen?

Und die Tondichtung „Ein Heldenleben“ von Richard Strauss haben Gergiev und die Philharmoniker mittlerweile einfach drauf. Sie steht ja auch nicht zum ersten Mal auf dem Programm. Gergiev gelingt es, die überwältigende Detailfülle, die das Orchester in diesem Stück nicht gerade von seiner bescheidensten Seite zeigt, so überlegen anzuordnen, dass selbst eine unübersichtliche Besetzungsstärke transparent wird.

Vielleicht entwickelt sich dieses Werk ja zu einer gemeinsamen Spezialität der Philharmoniker und Gergiev, einem Markenzeichen ihrer Liaison.

Am Freitag, den 26. Januar spielen die Philharmoniker um 20 Uhr noch einmal „Ein Heldenleben“ im Gasteig

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