Eva Mair-Holmes erhält den Münchner Musikpreis für ihre Arbeit mit dem Trikont Verlag

Die Jury hatte sich entschieden. Kurz nach dem 50. Geburtstag des Münchner Musikverlags Trikont, der als linker Buchverlag gegründet worden war, sollten Urgestein Achim Bergmann, und seine Frau Eva Mair-Holmes, die 1990 in den Verlag und bald ins Leben von Bergmann stieß, mit dem Musikpreis der Landeshauptstadt geehrt werden. Es kam leider anders. Völlig überraschend starb Bergmann am 1. März dieses Jahres. Und so stand Eva Mair-Holmes nun allein am Rednerpult im Volkstheater und kämpfte mit den Tränen: „Achim, egal wo Du Dich im Universum herumtreibst, dieser Preis ist auch für Dich.“

Die Bedeutung des Verlags, der Heimat für Künstler wie Hans Söllner oder Kofelgschroa ist, aber auch für Bands wie Ton Steine Scherben war, fasste Laudator Franz Dobler prägnant zusammen: „Ohne Trikont stünde Bayern auf dem kulturellen Stand von Ende Mai 1945.“

Gastarbeiter, Volksmusik, Friedensbewegung, Jodler und Jazz

Richtig ist, dass Trikont immer Vorreiter war, gesellschaftliche Entwicklungen kulturell zu begleiten, ob es um Gastarbeiter, die Schwulenbewegung, die Friedensbewegung oder auch um Wackersdorf ging. Als Begleiter der linken Gegenöffentlichkeit blieb Trikont unverzichtbar, aber auch als Schatztruhe der jüngeren Geschichte Bayerns.

Im Giesinger Verlag entstand nicht nur das Großprojekt „Die Stimmen Bayerns“, hier wurden auch die Songs von Bally Prell, dem Weiß Ferdl oder Texte von Karl Valentin veröffentlicht. Trikont entdeckte amerikanische Jodler und äthiopischen Jazz, finnischen Tango und vietnamesische Straßenmusik und erhielt von der „FAZ“ dafür das Lob: „Wenigstens in Bayern ist Deutschland nicht provinziell.“

Hans-Georg Küppers: "Gelebte, offene, pluralistische Haltung"

Kulturreferent Hans-Georg Küppers sah es genau so: „Wenn jemand die offene und pluralistische Haltung unserer Stadt gelebt und mit Inhalt gefüllt hat, dann ist es Trikont.“ Aber es ging an diesem Abend und beim anschließenden Empfang nicht nur um die Vergangenheit. „Wir machen weiter – für Dich, Achim und den Rest der Welt“, hatten die Trikont-Mitarbeiter Anfang März auf ihre Homepage geschrieben.

Die Münchner Stadtgesellschaft hat ja vergangenen Sonntag bewiesen, was eine eindrucksvolle Gegenöffentlichkeit ist und auch Hans Söllner fühlt sich angespornt. Er möchte sein neues Album unbedingt noch vor der Bayerischen Landtagswahl auf den Markt bringen – natürlich bei Trikont.