Münchner Kammerspiele David Marton über seine Version von "Figaros Hochzeit"

Nurit Stark, Thorbjörn Björnsson, Franz Rogowski und Jelena Kulic. Foto: Christian Friedländer

David Marton, der Gründer des Opernhauses der Kammerspiele, inszeniert Mozarts "Le nozze di Figaro"

 

Nein, das stimmt schon, was hier steht: Am Samstag hat Mozarts Oper „Le nozze di Figaro“ in der Kammer 1 der Münchner Kammerspiele Premiere. Es handelt sich hierbei um ein Projekt des Opernhauses von David Marton, der im Februar bereits Bellinis „La sonnambula“ erfolgreich in der Kammer 3 herausgebracht hat.

AZ: Herr Marton, „Le nozze di Figaro“ ist die Lieblingsoper aller Leute. Auch die Ihre?

DAVID MARTON: Nein. Ich finde Mozart nicht am stärksten in seinen Opern, obwohl das oft behauptet wird.

Wo ist er stärker?

In Oratorien, in sakraler Musik, in Instrumentalmusik und den Klavierkonzerten. Opern erzählen Geschichten, und das macht Mozart auf geniale Weise. Aber wenn seine Musik abstrakt wird, scheint er mir noch größer. Jedenfalls ist das meine persönliche Empfindung.

Der große Moment in „Figaros Hochzeit“ steht ganz am Ende: „Contessa perdono“ – wenn der Graf die Gräfin um Verzeihung bittet. Geben Sie dieser Ehe eine Chance?

Bei uns ist dieser Moment nicht drin.

Was hat Sie an der Oper dann interessiert – wenn nicht der Ehebruch und die Verzeihung?

Wir haben uns viel mit Beaumarchais und seiner Zeit beschäftigt und mit dem Experiment mit Schauspielern gemeinsam Mozart zu singen. Uns interessieren die melancholischen Töne in der Musik mehr als die wohlbekannte Witzigkeit.

Ist es nicht so, dass Mozarts Librettist Lorenzo da Ponte alles Brisante aus der Komödie von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais gestrichen hat?

Da Ponte und Beaumarchais sind gar nicht so verschieden. Natürlich: Den großen politisch motivierten Monolog Figaros hat er gestrichen, ebenso einige Szenen, die auf aktuelle Ereignisse anspielten. Aber der Grundduktus beider Stücke ist nicht so unähnlich: ein geschwätziges, verwirrtes Versteckspiel eines vermeintlichen Revolutionärs.

Sie reden von Figaro.

Beaumarschais hat sich in Figaro, aber auch in allen anderen Figuren selbst porträtiert. Er war ohnehin mehr öffentliche Figur, Geschäftsmann und Höfling als Schriftsteller. Er hat einen neuen, provozierenden Ton angeschlagen. Aber eine Revolution hat er nicht ausgelöst. Heute wäre er Satiriker im Fernsehen.

Wie gehen Sie mit der Musik um?

Anders als in „La sonnambula“. Wir haben hier mehr Schauspieler. Vier Bläser, eine Geigerin und ein Cembalist zitieren die Musik Mozarts an. Die verstrickte Handlung der Oper versuchen wir gar nicht zu erzählen. Wir versuchen, die Figuren der Oper aus der Perspektive von Beaumarchais’ Biografie zu betrachten.

Warum schließt Ihr Opernhaus nach einer Spielzeit schon wieder?

Ich hatte das Gefühl, ein kurzes, schnelles Projekt wäre gut. Ich habe die Stücke als Vertreter des gängigen Repertoires ausgewählt. Also keine Nischenstücke oder Entdeckungen – die machen Opernhäuser ohnehin.

Stimmt es, dass Sie Ihr Theater wie Richard Wagner sein Festspielhaus verbrennen wollen?

Ich habe das metaphorisch gemeint – in Anspielung auf den Satz von Pierre Boulez: „Sprengt die Opernhäuser in die Luft!“. Unser Schlusspunkt wird die aufs Minimum reduzierte Opernbude sein: Drei Zuschauer in einer Loge.

Wollten Sie mit Ihrem Projekt den Opernbetrieb umkrempeln?

Ich glaube nicht, dass man die Oper verändern kann. Mir ging es eher um die musikalische Arbeit an einem Sprechtheater. Die Opernwelt wird von viel Geld regiert und bestimmt. Ästhetische Freiheiten können da nur sehr bedingt stattfinden – das ist auch meine eigene Erfahrung als Opernregisseur.

Premiere am 11. Juni um 20 Uhr, weitere Vorstellungen am 13., 16., 29. Juni und im Juli. Maximilianstraße 26, Karten von 11 Euro bis 44 Euro

 

0 Kommentare