Die Münchner Kammeroper zeigt Mozarts „Così fan tutte“ im Hubertussaal von Nymphenburg

Von einer Win-Win-Situation zu sprechen, wäre untertrieben. Denn bei der Münchner Kammeroper gibt es mindestens vier Gewinner. Erstens den Kontrabassisten Nabil Shehata, der gern dirigiert. Zweitens die singenden Absolventen diverser Musikhochschulen, drittens eine junge Regisseurin, die sich an „Così fan tutte“ versuchen darf. Und nicht zu vergessen das Publikum, das in den tiefsten Münchner Theaterferien eine Oper mit Schloss Nymphenburg als Zugabe bekommt, obwohl sich der Hubertussaal für solche Aufführungen eigentlich weniger eignet.

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Mit Volldampf gesungen und gespielt wird Mozarts Musik in diesem schlauchartigen und weitgehend charmefreien Raum schnell laut und ruppig. Shehata drückt aufs Tempo, das kleine Orchester aus Streichern und Holzbläsern spielt in Einheitslautstärke. Die deutsch gesungenen Rezitative begleitet eine Gitarre, ein Sekündchen lässt sich das Akkordeon vorwitzig hören. Sonst bemüht sich Vladimir Beleaevs biedere Neu-Instrumentierung zu verbergen, dass es sich um ein Arrangement handelt.

Ein Spiel im Schloss

Die Gesangsausbildung der Hochschulen zwischen München, Wien, Düsseldorf, Berlin und Detmold verdient sich am Premierenabend durchwegs Bestnoten. Kathrin Zukowski würzt die pathetischen Arien der Fiordiligi mit einer Messerspitze Ironie. Natalya Boeva singt die Dorabella ein wenig bodenständiger – ein hübscher Kontrast. Theodora Raftis macht aus der Despina eine südosteuropäische Kratzbürste.

Die Herren singen eine Spur derber, und der baritonale Tenor von David Jagodic (Ferrando) ließe sich ohne weiteres mit dem tenoralen Bariton von Daegyun Jeong (Guglielmo) verwechseln. Ein großer Stilist ist keiner von beiden, auch der etwas wattig singende Frederik Tucker als Alfonso nicht. Aber trotzdem haben die Proben alle fünf in ein eingespieltes Ensemble verwandelt.

Die Treueprobe beginnt in der Inszenierung von Beka Savic als Komödie. Die Verführungsszenen sind tänzerisch choreografiert, am Ende kommen die alten Paare nicht mehr zusammen und sitzen ratlos im kalten Licht. All das bleibt nur dezent verstörend, ohne den Charme des Spiels im Schloss zu stören. Und das ist es, was das begeisterte, von Adel und Vertretern des angestammten Herrscherhauses durchsetzte Premierenpublikum hier erwartet.  

Auch am 25., 26., 29. und 30. August im Hubertussaal von Schloss Nymphenburg, weitere Vorstellungen bis zum 15. September. Karten von 15 bis 45 Euro unter www.kammeroper-muenchen.com und Telefon 54818181, www.muenchen-ticket.de