Münchner Islamzentrum AZ-Kommentar: Mehr Transparenz, bitte!

Die Moschee ist nur ein Teil des geplanten Islamzentrums. Daran angeschlossen sollen an der Dachauer Straße eine Bibliothek, ein Museum und eine Glaubensakademie entstehen. Foto: Jasarevic Architekten

Ein anonymer Spender aus Saudi-Arabien soll das Münchner Islamzentrum finanzieren. Kein gutes Signal, schreibt AZ-Vize Timo Lokoschat.

München - Betagt und betucht sei der Geschäftsmann aus Saudi-Arabien. Mehr will Imam Benjamin Idriz über den anonymen Großspender nicht preisgeben. Transparenz sieht anders aus.

Die Münchner Stadtgesellschaft erwartet sich bei diesem Projekt zu Recht ein höchstmögliches Maß an Offenheit, will wissen, wer die Großmoschee finanziert. Schließlich lehrt die Lebenserfahrung, dass derjenige, der Geld für eine Sache ausgibt, bei ihrer Gestaltung auch mitreden möchte. Kurz: Wer zahlt, schafft an.

In diesem Zusammenhang verheißen anonyme Geldströme aus Saudi-Arabien nichts Gutes: Das Land liefert mit seiner reaktionären Islam-Interpretation weltweit die ideologische Vorlage für Terrororganisationen. Die Strafen, die das Regime verhängt, gleichen teilweise 1:1 jenen des "Islamischen Staats" auf dem Territorium von Syrien und dem Irak. Von der Steinigung bei Ehebruch bis zur Todesstrafe für Blasphemie, Homosexualiät oder Abwendung vom Islam.

Sicher: Es gibt auch in Saudi-Arabien ehrbare Geschäftsmänner, die mit Fundamentalismus nicht viel am Hut haben. Doch ohne eine gewisse Staatsnähe geht in der Autokratie für Einheimische gar nichts. Deshalb ist es ein Unding, den Namen des Spenders geheim zu halten und der Münchner Bevölkerung wichtige Informationen vorzuenthalten.

Das Zentrum kann nur dann auf Akzeptanz stoßen, wenn hier ein aufgeklärter und liberaler Euro-Islam gepredigt wird. Saudi-Arabien steht für das Gegenteil.

 

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