Münchner HIV-Patienten Ein Leben mit dem Virus

Fotograf Horst Middelhoff (l) zeigt seine Bilder im Café Regenbogen. Michael Tappe (r) ist fachlicher Leiter der Münchner Aids-Hilfe. Foto: Bernd Müller, Sarah-June Jäckel

Zwei HIV-positive Münchner erzählen, wie sie mit der Infektion umgehen. Im Alltag herrsche nach wie vor Diskriminierung, sagt HIV-Patient Horst Middelhoff.

 

München - „Mein Leben unterscheidet sich von dem anderer eigentlich nur darin, dass ich morgens eine Pille einwerfe“, erzählt Michael Tappe. Tappe ist fachlicher Leiter bei der Münchner Aids-Hilfe und selbst HIV-positiv.

Die „Pille“, die er morgens einwirft, hilft ihm, ein normales Leben zu führen. „Mein Immunsystem ist sehr stabil und ich bin unter der Nachweisgrenze.“ Das bedeutet, dass die Anzahl der Viren so niedrig ist, dass er in gängigen HIV-Tests als nicht infiziert gilt – und damit auch nicht ansteckend ist. Geheilt ist Tappe nicht, doch die Therapie ist verträglicher als noch vor zehn oder 20 Jahren. Einmal im Quartal muss er zum Arzt, der seinen Gesundheitszustand überprüft. Er lebt mit dem Virus wie andere mit chronischen Erkrankungen.

Michael Tappe erzählt nicht jedem, dass er das HI-Virus in sich trägt. Auch wenn Aids für schwule Männer immer irgendwie Thema ist: „Jeder kennt einen, der infiziert ist“, sagt Tappe. Das heißt aber nicht, dass es in der Community keine Unwissenheit oder Ängste gibt. Deshalb bindet er nicht jedem auf die Nase, dass er infiziert ist.

„Solange keine Übertragungsgefahr besteht, muss ich das nicht mitteilen“, sagt Tappe. „Bei manchen wäre die Information, dass ich positiv bin, ein Grund, keinen Sex mit mir zu haben. Obwohl das Ansteckungsrisiko bei mir nicht höher als bei Nicht-Infizierten ist. Und man sich mit Kondomen zusätzlich schützen kann.“

Bei einmaligen Sex-Kontakten verschweigt er deshalb, dass er das Virus in sich trägt. „Wenn ich einen anderen Mann aber gern habe und mir eine längere Partnerschaft mit ihm vorstellen kann, erzähle ich ihm von meiner Infektion.“

Manchmal dient ihm diese Mitteilung auch als eine Art „Check“, ob der andere für eine Beziehung überhaupt in Frage kommt.

Der Fotograf Horst Middelhoff verlor 1996 seinen langjährigen Freund Tommaso, der an Aids starb. Bilder aus Tommasos letztem Lebensjahr sind Teil der Ausstellung im Café Regenbogen.

Seit 1996 haben sich die Lebensbedingungen für HIV-Positive stark verbessert. Zumindest unter medizinischen Aspekten. Die Therapie ist nicht nur einfacher – eine Pille am Tag reicht meist aus –, sie ist auch besser verträglich.

Allerdings herrscht im Alltag nach wie vor Unwissenheit und Diskriminierung. Das musste Middelhoff, der selbst das Virus in sich trägt, am eigenen Leib erfahren.

Er sollte sich einer etwas komplizierteren Zahnoperation unterziehen.

Mehrere Praxen und sogar eine Uni-Klinik wiesen den Patienten ab – zu hoch sei der Aufwand zur Desinfektion nach der OP und die Ansteckungsgefahr, argumentierten sie. „Wer sich bei mir anstecken will, muss schon einiges tun“, scherzt Middelhoff. Nach einigen Versuchen fand er eine Praxis, die die Operation durchführte.

 

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