Münchner Graffiti-Künstler Tumblingerstraße: Der Drache aus der Dose

Die drei Münchner Künstler Sam, Darko und Robert haben die Wand an der Tumblingerstraße um ein neues Gemälde bereichert. Foto: Sigi Müller

Drei Freunde haben eine Münchner Wand mit dem Inhalt ihrer Spraydosen verschönert. Ganz legal. Sie wollen Bilder schaffen, die Geschichten erzählen. 

 

Isarvorstadt - Kraftvoll tobt der große blaue Drache über die Mauer des Viehhofs an der Tumblingerstraße. In seinem Inneren kann man bei genauerem Hinsehen einen Käfig erkennen, darin eine Ratte. Er speit einen kräftigen Feuerstrahl, dem stellt sich tapfer ein nur mit einer Lanze bewaffneter kleiner Krieger entgegen. Auf dem Rücken des Fabeltiers reitet frech ein kleiner blauer Vogel – er ist das Markenzeichen der drei jungen Münchner Künstler Robert P. (30), Sam F. (32) und Darko P. (28), die sich mit diesem Graffiti-Kunstwerk an der Wand verewigt haben.

Das Vögelchen taucht in all ihren Bildern auf, in München, in ganz Deutschland und im Ausland. „Mit dem Bild wollen wir das neue Jahr begrüßen“, sagt Robert. Gute acht Stunden haben sie daran gearbeitet und Farbe im Wert von 150 Euro versprüht.

Die drei Freunde sprühen schon seit gut zehn Jahren und treffen sich regelmäßig für ihre Kunst. Dabei sind sie ein eingespieltes Team, jeder trägt seinen Teil zum Gesamtergebnis bei. Entwürfe braucht es nicht – Motiv, Details und Farbkonzeption entstehen direkt an der Wand, die Ideen werden gemeinsam erarbeitet.

Wenn sie nicht sprühen, haben Robert, Sam und Darko ganz normale Berufe als Psychologe, KFZ-Mechaniker und Lackierer. In die Graffiti investieren sie ihren Urlaub und ihre Freizeit.

Dabei haben sie einen künstlerischen Anspruch: „Wir machen nicht nur Schriftzüge wie viele andere“, sagt Robert. „Es sollen richtige Bilder sein, die eine Geschichte erzählen.“ Deshalb wird legal gesprüht. Weil freie Flächen dafür rar sind, reisen die drei auch in andere Städte und ins Ausland. „Das ist schon mehr als ein Hobby“, sagt Robert.

In München kann man mehrere ihrer Bilder bewundern, etwa unter der Donnersbergerbrücke, am Friedensengel, an Abrrisshäusern im Harthof oder in einer Unterführung in Neuperlach.

All diese Flächen wurden von der Stadt oder den Hausbesitzern für die Graffiti-Kunst freigegeben und die Künstler, die sich dann dort verewigen durften, extra ausgewählt.

Die Wand an der Tumblingerstraße ist dabei eine besondere: "Hier sehen viele Leute die Bilder und sehen sie sich auch genauer an", sagt Robert. Hier darf jeder ganz legal sprühen. Das heißt aber auch, dass andere Bilder übermalt werden. "Im Prinzip gilt die Philosophie, wenn man etwas über ein anderes Bild macht, muss es auch besser sein", erklärt Robert. So misst man sich natürlich auch mit anderen.

Man darf also gespannt sein, wie lange der blaue Drache dort sein Feuer spuken wird.

 

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