Münchens schönste Mauer Bunt und teuer: Marienhof bekommt Schallschutzwand

Die dargestellten Personen sollen "den Durchschnitt der Münchner Gesellschaft" zeigen. Ob das Eichhörnchen auf der Bank da wohl inbegriffen ist? Foto: Petra Schramek

Die S-Bahn-Baustelle am Marienhof bekommt eine neue Schallschutzwand – und die soll nicht danach aussehen. 

Altstadt - "Hier haben wir eine Schallschutzwand realisiert, die dem besonderen Ort im Herzen der Stadt gerecht wird." So kommentiert Klaus Dieter Josel von der Deutschen Bahn die neue Wand, die bald den Marienhof umschließen wird.

Um Anlieger und Passanten stilvoll vor dem Lärm und Staub der Baustelle der Zweiten Stammstrecke zu schützen, hat die Bahn investiert: Eine knappe Million kostet die 4,5 Meter hohe Mauer, die über die kommenden Jahre hinter dem Rathaus stehen wird. Anders als die gewohnten grauen Schallschutzwände, die sonst auf Zug- und S-Bahnreisen an einem vorbeiziehen, wurde die neue Wand allerdings aufwendig bedruckt. So werden Münchner und Touristen bald auf den Wandelementen sehen, wie der Marienhof nach Vollendung der Baustelle ausschauen soll.

Wand am Marienplatz soll aufwendig bedruckt werden

Dies ist nicht nur optisch ansprechend, sondern soll die Münchner auch zur Geduld motivieren. Die Ansicht des Platzes solle zeigen, "dass sich das Warten während der Bauarbeiten auf jeden Fall lohnt. Denn in der belebten Innenstadt entsteht eine grüne Oase mit direktem Zugang zum öffentlichen Nahverkehr und schnellen Verbindungen für München und die Region", so Staatssekretär Josef Zellmeier (CSU). Und Geduld ist gefragt: Die Wand wird wohl bis mindestens 2026 am Marienplatz bleiben.

Die dem Rathaus zugewandte Seite wird unbedruckt freigehalten und soll wechselnden Künstlern und Münchner Schulen und Kindergärten Raum geben, ihre künstlerische Werke der Münchner Öffentlichkeit zu präsentieren.

2019 besonders viel Dreck hinterm Marienplatz

Im nächsten Jahr werden der Lärm und Staub wohl am stärksten werden, denn dann werden an der Baustelle die oberflächlichen Arbeiten für Münchens zweite Stammstrecke durchgeführt. Ab 2020, wenn ein größerer Teil der Arbeit unterirdisch stattfindet, haben die Anlieger dann die Möglichkeit, die Höhe der Mauer auf drei Meter zu reduzieren, falls sie das wollen.

Allgemein hat sich die Bahn bemüht, die Besitzer der umliegenden Geschäfte, Büros und Wohnungen in den Planungsprozess so gut wie möglich miteinzubeziehen. "Bis jetzt bin ich sehr zufrieden mit dem Prozess", sagt eine Anliegerin, "jetzt muss man nur hoffen, dass das auch in Zukunft so bleibt." Sogar Schallschutzfenster für umliegende Gebäude hat die Bahn mitfinanziert, wenn dies nötig war. Und nicht nur Anlieger äußern sich positiv: Auch vorbeigehende Passanten schien die Wand zu gefallen. Besonderes Interesse erweckten die dargestellten Personen, welche laut Bahn einen "Durchschnitt der Münchner Gesellschaft" zeigen sollen.

Zum Bau des ersten Mauerabschnitts waren am Montag sowohl Dieter Josel und Markus Kretschmer von der Bahn, als auch Staatssekretär Josef Zellmeier (CSU), Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteilos) und Wolfgang Fischer von Händlerzusammenschluss Citypartner gekommen. Dies sollte zeigen, dass bei der Zweiten Stammstrecke die Deutsche Bahn zusammen mit Stadt, Freistaat und Anwohnern an einem Strang ziehen. Trotz schöner Mauer dürften sich viele aber auch auf das Ende der Bauarbeiten freuen: "In München gibt’s eh überall Baustellen, ich bin einfach froh, wenn ich wieder über den Marienhof laufen kann", so eine vorbeilaufende Passantin.

 

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