Münchens Oberbürgermeister Ude-Interview: Investoren sollen Kliniken retten

Christian Ude: "Ich führe viele Gespräche mit den besten Kennern der Krankenhauslandschaft." Foto: dpa

Christian Ude spricht im AZ-Interview über die Stadt-Kliniken: „Ich bin in laufenden Gesprächen“, sagt der OB. Und verrät auch, dass sein Verhältnis zur Geschäftsführung des Stadtklinikums am Tiefpunkt angelangt ist.

 

München - Die Tage von Klinikchefin Elizabeth Harrison sind offenbar gezählt: Nachdem Oberbürgermeister Christian Ude sich an die Spitze eines neuen Lenkungskreises gesetzt und damit die drei Geschäftsführer entmachtet hat, kämpft sie über einen Anwalt gegen Ude.

AZ: Herr Ude, wie lange schauen Sie sich das noch an?

Ich hatte in den letzten 20 Jahren den Vorsitz in mehr als zehn Aufsichtsräten, also mehr als 200 Jahre insgesamt. Aber ich hatte noch nie einen Geschäftsführer, mit dem ich längere Zeit nur per Anwalt verkehrt hätte.

Wie groß ist Ihr Interesse, das zu erdulden?

Sehr überschaubar. Ich nenne keine Fristen, aber ich sage nur, dass dies für mich eine neue Erfahrung ist. Sie hatte sogar beanstandet, dass ich an den Belegschaftsversammlungen teilnehme, obwohl sie dabei war, als das im Aufsichtsrat besprochen wurde.

Haben Sie nicht zu spät eingegriffen?

Jede GmbH wird von ihrer Geschäftsführung und ihrem Aufsichtsrat geführt. Hier kam Ende Oktober die Nachricht, dass die Ziele des beschlossenen Sanierungsprogramms verfehlt werden und Insolvenz droht. Da musste die Stadt als Gesellschafterin eingreifen.

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Aber Sie haben einen Bürgermeister entmachten müssen und einen Aufsichtsrat durch den neuen Lenkungskreis.

Der Lenkungskreis tritt nicht an die Stelle des Aufsichtsrats. Ich muss im Gegenteil den Aufsichtsrat in manchen Punkten sogar noch stärken gegen die Geschäftsführung, damit seine Auskunftsansprüche auch verwirklicht werden. Eine Einmischung hat allenfalls die Geschäftsführung erlebt. Aber ich kann ja nicht warten, wie lange noch Sanierungsziele verfehlt werden. Ich muss sicherstellen, dass sie nicht verfehlt werden.

Und nach der Stadtratswahl am 16. März machen Sie die erste Klinik zu.

Nein. Hier sind seriöse Arbeitsschritte erforderlich. Die Schließung eines Hauses steht nicht zur Debatte und ist für mich auch nicht vorstellbar. Es wird aber auch kaum ein Haus in unverändertem Umfang bleiben. Es wird Bettenabbau geben, Zusammenlegung von Fachabteilungen. Mir wäre es ja lieb, ich könnte zum frühestmöglichen Zeitpunkt alle Entwicklungen bekannt geben. Denn die Katastrophenmeldungen und die Ängste sind sowieso schon da. Gemessen daran kann es nur besser werden. Ich will das auf jeden Fall noch vor der Kommunalwahl bekannt geben.

Geben die Experten im Lenkungskreis dem Projekt eine Chance?

Ja. Ich führe sehr viele Gespräche mit besten Kennern der Krankenhauslandschaft in Deutschland. An der Sanierungsfähigkeit und Sanierungswürdigkeit besteht kein Zweifel. Der Münchner Gesundheitsmarkt ist zwar mit den Unikliniken und den privaten Häusern einer der umkämpftesten in der Republik, aber er ist auch einer der größten. Allerdings muss die drohende Insolvenz abgewendet werden, und dafür sind Einschnitte notwendig.

Was ist dazu sonst noch nötig?

Das ganz große Thema ist die bauliche Zukunft, die muss aber nicht aus dem laufenden Betrieb finanziert werden, sondern von der Stadt – und vielleicht auch mit privatem Geld.

Wie funktioniert das?

Ich denke an Geldgeber, die die Stadt München als einen solventen Mieter schätzen.

Ude verkauft die Kliniken?

Nein. Wenn aber ein anderer einen Anbau oder Umbau finanziert, ist an den eine Miete zu entrichten. Sie wissen doch, dass ich gegen Privatisierung bin.

Gibt es schon Interessenten?

Ich bin in laufenden Gesprächen.

Wann kommen dann die ersten Ergebnisse?

So viel wie möglich Ende Februar, wenn auch das Sanierungsgutachten kommt. Die Ursache der Misere ist, dass in Deutschland 51 Prozent der Kliniken defizitär sind und sich die Lage jedes Jahr verschlimmert. Der Sanierungsbedarf der Gebäude kommt noch hinzu. Ich bin inzwischen sicher, dass das Problem zu lösen ist, allerdings mit Blut, Schweiß und Tränen und nicht mit einem Sonntagsspaziergang.

 

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