Münchens Atomkraftwerk Isar 2 Abschalten? Das kostet zwei Milliarden Euro

Bizarre Idylle: Sonnenblumen blühen vor dem Kühlturm des Kernkraftwerk Isar Block 2 – der Meiler liegt nicht weit von Landshut entfernt. Foto: Lukas Barth

Die Stadt hält 25 Prozent an dem AKW. Wenn es vom Netz geht, muss München sich an den Rückbau-Kosten beteiligen. 540 Millionen sind dafür schon zurückgelegt.

München - Seit Jahrzehnten hält München eine Beteiligung am lukrativen Atomkraftwerk Isar 2 – der Stadt gehören 25 Prozent dieses weltweit produktionsstärksten Meilers (AZ berichtete). Die restlichen Anteile besitzt der Energiekonzern Eon.

Wie viel Profit das AKW bisher eingebracht hat und noch einbringt, dazu schweigen sich die zuständigen Stellen lieber aus. Dafür zeichnet sich jetzt ab, wie teuer der Rückbau des Reaktors nach seiner geplanten Stilllegung im Jahr 2022 werden könnte: sehr teuer.

Die Stadtwerke München müssen sich gemäß ihrem Anteil an den Rückbau-Kosten beteiligen. Dort heißt es: „Hierfür haben wir bereits Rückstellungen von zirka 540 Millionen gebildet und den entsprechenden Betrag zurück gelegt.“ Diese Summe entspreche dem SWM-Anteil „an den vom Betriebsführer Eon erwarteten Rückbau-Kosten“, sagt SWM-Sprecher Christian Miehling. Eon geht demzufolge also davon aus, dass die Demontage von Isar 2 rund 2,16 Milliarden Euro verschlingen wird – Endlagerung des Atommülls inklusive.

Insgesamt hat der Energieriese 14,6 Milliarden Euro für die Abwicklung des Atomzeitalters in Deutschland zurückgelegt. Im Schnitt rechnet man dort mit 1,2 Milliarden Euro allein für Stilllegung, Nachbetrieb und den Rückbau eines AKW. Eon-Sprecherin Petra Uhlmann sagt: „Dann kommen aber noch die Kosten für die Endlagerung des hochradioaktiven Abfalls hinzu.“

Heftige Zahlen, die allerdings in einem anderen Licht erscheinen, wenn man weiß, was ein Kernkraftwerk bisher abgeworfen hat. Laut Greenpeace machte ein durchschnittliches AKW am Tag früher etwa eine Million Euro Gewinn. Heute gilt diese einfache Faustregel so wohl nicht mehr – unter anderem durch den Verfall des Strompreises an der Börse. Klar ist aber: Es gab viele, viele Jahre in denen die Konzerne mit ihren Kernkraftwerken satt verdienen konnten. Die Konzerne – und auch die Stadt München.

Wenn’s um den Profit geht, betreiben die Stadtwerke – obwohl sie ein öffentliches Unternehmen sind und damit genau genommen den Bürgern gehören – Geheimniskrämerei. Auf die Frage, was die AKW-Beteiligung pro Jahr eingebracht hat, kommt nur folgende Antwort: „Wir bitten um Verständnis, dass wir uns aus Vertraulichkeitsgründen zu wirtschaftlichen Einzelheiten bei Gemeinschaftsunternehmen grundsätzlich nicht äußern.“ Auch Ex-OB Ude gab vor einigen Jahren im AZ-Interview an, nicht genau zu wissen, was die Stadt daran verdiene, er meinte aber immerhin: „Sie können davon ausgehen, dass es ein sehr lukratives Kernkraftwerk ist.“

Lukrativ – aber eben auch ein bisschen peinlich: Schließlich war mehr als zwei Jahrzehnte lang ein rot-grünes Rathausbündnis in München an der Regierung. Die Stadt präsentiert sich seit Jahren gerne als Vorreiter der Energiewende, bis 2025 wollen die Stadtwerke so viel Ökostrom in eigenen Anlagen produzieren, wie ganz München verbraucht. Eine AKW-Beteiligung passt da nicht ganz so gut ins Bild.

Schon 1993 hatte die rot-grüne Mehrheit beschlossen, sich von Isar 2 zu trennen. SWM-Sprecher Miehling sagt zwar: „Es gab verschiedene Verkaufsbemühungen, die zum Teil sehr weit gediehen waren.“ Doch tatsächlich zum Verkauf kam es nie. Und angesichts des bevorstehenden Atomausstiegs wird das sicherlich auch nichts mehr – was die Münchner noch teuer zu stehen kommen wird.

 

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