Münchens Alt-OB Hans-Jochen Vogel: "Die SPD-Krise? Das ist emotional für mich"

Dei Ergebnisse der Landtagswahl haben Alt-OB Hans-Jochen Vogel getroffen. Foto: dpa

Alt-OB Hans-Jochen Vogel äußert sich zur Situation seiner SPD nach der Wahl.

München - Er hat immer noch einen besonders nahen Blick auf die sozialdemokratische Seele: Alt-OB Hans-Jochen Vogel. Die Ergebnisse der Landtagswahl haben auch ihn getroffen, das hat der 92-Jährige am Samstag im Interview mit dem Radiosender Bayern 2 betont.

Vogel könne sich noch daran erinnern, als bei der Bundestagswahl alle Direktmandate in München von Sozialdemokraten errungen worden seien. Auch bei der Landtagswahl sei München früher rot gewesen. Die Ergebnisse jetzt, mit SPD-Werten in München von knapp zehn Prozent, seien hart für ihn: "Das ist emotional ein Problem für einen wie mich."

"Die Verluste der CDU waren deutlich stärker als unsere"

Trotzdem, und das liegt Vogel am Herzen: Die SPD sei nicht der große Verlierer, zu dem sie alle Beobachter machen wollen. Prozentual, so rechnet Vogel vor, habe die Union bei vergangenen Wahlen viel mehr verloren als die SPD. "Die Verluste der CDU waren deutlich stärker als unsere." So auch bei den jüngsten Wahlen in Bayern: "Die CSU hat nur einen höheren Ausgangswert." Es sei auch die Union, die eine Mitschuld trage an der schwachen bayerischen Sozialdemokratie, die Streitigkeiten in Berlin haben die SPD "mithineingezogen". Da könne auch die Parteichefin nicht viel ausrichten: "Frau Nahles hat eine sehr schwierige Aufgabe übernommen. Ich sehe nicht, dass sie einen Fehler begangen hat."

Die Konsequenz aus dem Debakel – auch mit Blick auf kommende Wahlen – müsse sein, "dass die SPD wieder eigenständiger in Erscheinung tritt". Vieles, was die SPD in Berlin erreicht habe, werde ihr nicht angerechnet. Die Partei müsse klar machen, welche Ideen man für die nächste Legislaturperiode habe. Die Rentenvorschläge von Olaf Scholz seien ein richtiger Schritt, den dieser aber klarer kommunizieren müsse.

Was hält der Alt-OB von dem Erfolg der Grünen?

Und was hält der Alt-OB von dem Erfolg der Grünen, die vor allem in seiner Heimatstadt der SPD viele Stimmen abgerungen haben? Die seien eine ganz andere Partei als in den 80ern, sagt Vogel. "Die Grünen haben sich stark in die Mitte entwickelt" und seien so zur Konkurrenz geworden. Spätestens seit der ersten schwarz-grünen Koalition in Hessen sei das deutlich: "Vielleicht hätte man da schon aufmerksam werden müssen."

 

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