Münchener Kammerorchester Helmut Lachenmann spricht "...zwei Gefühle..."

Helmut Lachenmann bei einer Probe mit Clemens Schuldt, dem Chefdirigenten des MKO Foto: Florian Ganslmeier

Das Münchener Kammerorchester mit Lachenmann, Eisler Beethoven und Wagner im Prinzregententheater

 

Eine Stunde lang spielte das Münchener Kammerorchester viel freundliche Musik im Prinzregententheater. Einmal marschierte in den „Ernsten Gesängen“ von Hanns Eisler sogar stramm kommunistischer Fortschritt-Optimismus fahnenschwenkend vorbei. Dann Helmut Lachenmann: Der schwarze Klang aus Tuba, Kontrabassklarinette, Harfe und weiteren Instrumenten mehr, mit dem seine „...zwei Gefühle...“ beginnen, ist selbst für erfahrene Ohren ein Schock, wenn der vorher gespielte Beethoven noch im Raum schwebt. Aber genau das ist der Grund, wieso es richtig ist, den alten Spielverderber Lachenmann aufzuführen.

Seine 1992 vollendete „Musik mit Leonardo“ nach Texten des Universalmenschen aus der Renaissance gibt sich ohnehin weniger hermetisch als andere Werke des heute 84-Jährigen Komponisten. Für seine Verhältnisse sind die „...zwei Gefühle...“ fast ein Konzert für Ensemble, weil hin und wieder einzelne Musiker solistisch hervortreten und in den Flügel hineinspielen, dessen bewegter Deckel ein sehr spezielles Vibrato hinzufügt.

Und wüsste man nicht, dass Lachenmann so etwas nie und nimmer machen würde, ließe sich aus dem Anfang des Stücks durchaus die ausbrechende Lava der im Text erwähnten Vulkane Ätna und Stromboli heraushören, wenn die Streicher ihre Instrumente ächzend klagen lassen. Der Meister übernahm höchstpersönlich als Sprecher die Zerlegung des Texts in eine Halbverständlichkeit, die erst befremdet, beim zweiten Blick allerdings der geräuschhaften Klanglichkeit der Musik entspricht.

Davor hatte Clemens Schuldt so forsch und frisch eine Kurzfassung der „Prometheus“-Musik dirigiert, wie man Beethoven im Jubiläumsjahr gerne öfter hören würde. Der Rest enttäuschte – wenn auch auf hohem Niveau.
Der Bariton Georg Nigl sang die „Ernsten Gesängen“ zwar sehr kraftvoll und stark. Leider hat seine Stimme in der oft geforderten tenoralen Lage einen Beigeschmack von Kammersänger-Künstlichkeit, der dieser weitgehend herben Musik auf Hölderlins Spuren nicht förderlich ist.

Auch das „Siegfried-Idyll“ blieb unbefriedigend, weil auch ein diszipliniertes Kammerorchester dazu tendiert, musikdramatisch und im Stil einer symphonischen Dichtung aufzudrehen, wenn es den Namen Richard Wagner über den Noten liest. Eigentlich wäre das Prinzregententheater genau der Ort, dieses Stück so aufzuführen, wie es für das Treppenhaus des Hauses Tribschen bei Luzern komponiert wurde: für acht Bläser und ein Streichquintett. Denn weniger ist gerade in der Musik fast immer mehr.    

Am 1. Februar widmet das MKO dem Komponisten Johannes Maria Staudt um 22 Uhr in der Pinakothek der Moderne eine „Nachtmusik der Moderne“, Karten unter Telefon 461364-0

 

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