Münchener Biennale Daniel Gloger mit "Up close and Personal" in der whiteBOX

 Foto: Armin Smailovic

„Up close and Personal“ mit Daniel Gloger bei der Musiktheater-Biennale in der whiteBOX im Werksviertel

Wieder hinauf mit dem Lift, wo das Plakat eines Künstlerkollektivs für die Selbstverwirklichung vermittels Acrylbildmalerei wirbt. In einem Atelier der whiteBOX des Werks 3 mixt der Mann an der Bar den etwa 25 Anwesenden Drinks „aufs Haus“ zu Lasten des Etats der Münchener Biennale für Neues Musiktheater. Man lässt sich mit einem Glas auf einer langen Lederbank nieder. Dann erzählt der Sänger Daniel Gloger, er habe so etwas wie „Up close and Personal“ noch nie gemacht. Man möge mit ihm Geduld haben, weil er nervös sei.

Dieser auch aus den Kammerspielen wohlbekannte Einstieg ist so etwas wie der röhrende Hirsch in der wunderbaren Welt der Performance. Herr Gloger lobt München für seinen Katholizismus und nennt das Werksviertel einen „urban jungle“. Für einen Stuttgarter vielleicht, obwohl auch das zu glauben schwer fällt.

Anschließend führt er seine Morgen-Rituale, mixt einen Smoothie, verwandelt sich in einen Werbe-Jingle, summt Dowland, Händels „Ombra mai fu“ und Gesänge der heiligen Hildegard. Dann ist nach 45 Minuten Pause.

Wie eine Vernissage mit Acrylbildmalerei

Kunst ist anstrengend. Herr Gloger legt sich aufs Sofa und liest (vom Band) Gabriel García Márquez, wozu Nebel aus dem mit einem Vorhang abgegrenzten Arkanbereich hereinströmt. Fetzen aus dem ersten Teil wiederholen sich gerafft. In den letzten Minuten philosophiert Herr Gloger mit einem Smart Speaker über die Willensfreiheit, verwandelt sich für ein hübsch beleuchtetes Händeballett in die Marionette seiner selbst, ehe er hinter dem Vorhang verschwindet und als Daniel Gloger zurückkehrt.

Der Countertenor spielt einen ihm ähnlichen Herrn Gloger. Privates gibt er (natürlich) nicht preis. Für den Fall, dass sich draußen im Lande jemand dafür interessiert, ob es bei dieser Veranstaltung der Musiktheater-Biennale auch Musik gegeben habe: Ja, hat es. Als Soundkulisse. Der Programmzettel spricht in diesem Sinn korrekterweise von einer „Komposition“ (Kaj Duncan David) und nennt neben zwei „Künstlerischen Mentorinnen“ auch einen Regisseur (Troels Primdahl).
Es war ein netter Abend, ohne Frage. Ungefähr wie eine Vernissage für Acrylbildmalerei.

Wieder am 9., 10. und 11. Juni, jeweils 21 und 23 Uhr, im Gastatelier der whiteBOX

 

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