München „Wir wollten nur ein wenig Spaß haben“

Der Prozess gegen die drei Schweizer Schläger geht zu Ende Foto: az

Prügel-Exzess am Sendlinger Tor: Was die drei Schweizer Schläger als Motive gegenüber den Ermittlern angaben. In Briefen aus dem Gefängnis bedauern die Jugendlichen ihre Angriffe.

 

MÜNCHEN Am 8. März beginnt vor dem Landgericht der Mord-Prozess gegen die drei jugendlichen Schweizer Schläger, die im Juni 2009 am Sendlinger Tor fünf Menschen verprügelten. Ein Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Doch jetzt sind weitere Details aus der Anklageschrift bekannt geworden. So soll einer der Schläger laut „Tagesanzeiger“ den Ermittlern erklärt haben, dass es den Spezln darum ging, „ein wenig Spaß zu haben“, ein anderer schob die Taten auf Langeweile und Frust.

Das Trio hatte innerhalb weniger Minuten fünf Menschen angegriffen und mit Schlägen und Tritten zum Teil schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen sogar Mordversuch vor. Ein Opfer wurde halb tot geprügelt.

Mike B. (16) und seine beiden gleichaltrigen Freunde Ivan Z. und Benji D. waren auf Klassenabschlussfahrt in München. Sie besuchten eine Berufswahlschule in Küsnacht am Zürichsee. Mit Mitschülern wohnten sie im Jugendgästehaus an der Landwehrstraße. Am Abend des 30. Juni 2009 kauften sie sich am Hauptbahnhof Alkohol und Marihuana. Dann zogen sie los.

Am Sendlinger-Tor-Platz trafen sie auf ihre Opfer. Als sie die ersten Leute im Park verprügelten, so soll sich Benji gegenüber den Ermittlern geäußert haben, „habe er sich sehr aufgedreht gefühlt" und sei voller Tatendrang gewesen. Es sei ihm laut Tagesanzeiger klar gewesen, dass sie noch andere Leute angreifen werden. Beim Zuschlagen habe er einen Adrenalinschub und Machtgefühl verspürt.

Als Anstifter zur Prügelorgie gelte aber laut Anklage Mike. Der habe kurz nach der Verhaftung erklärt, dass er aus Langeweile und Frust handelte, weil ihm sein Portemonnaie an dem Abend verloren gegangen war.

Kurz nach der Tat hatte es geheißen, dass die Täter stark alkoholisiert waren. Doch Bluttests hätten ergeben, dass die drei lediglich 0,01 bis 0,89 Promille im Blut hatten.

Ivan stellt sich als Mitläufer dar. Er habe nur zugeschlagen, erklärte er den Ermittlern, weil er nicht als „Kollegenschwein“ habe dastehen wollen. Er wollte seinen Freunden helfen. Den Kopf seines behinderten Opfers habe er wie einen Fußball getroffen. Das sein Opfer hätte sterben können, sei ihm aber bewusst gewesen.

Aus der Münchner U-Haft heraus haben die drei Täter in Briefen erklärt, dass sie eine „Dummheit“ begangen haben und die Angriffe bedauern. Dem Trio drohen nach Jugendstrafrecht Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahren.

J. Schneider

 

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