München Wettlauf um die Olympia-Regattastrecke

Auf Erkundungstour auf der Regattastrecke in einem Achter der RGM '72: Münchens oberster Sportherr Rainer Schweppe (2.v.l), dahinter Sportamtsleiter Rudolf Behacker und die RGM-Vorsitzende Christine Katz. Foto: Willi Bock

40 Jahre nach den Olympischen Spielen muss die Regatta dringend saniert werden. Jetzt sucht die Stadt München nach einem neuen Nutzungs- und Finanzkonzept. Die riesige Anlage verschlingt Millionen

 

München - An der Regattastrecke kocht der See: Vorige Woche waren die internationalen Juniorenmeisterschaften, im Juli starten die bayerischen Rudermeisterschaften. Und von 15. bis 17. Juni steigt das Finale des Ruder-Weltcups: Dann tritt dort die Welt-Elite zum letzten Mal vor Olympia in London gegeneinander an. Viele Nationalteams bereiten sich auf der Münchner Olympiastrecke auf die Spiele vor.

Sie wissen: Die Regatta gehört zu den besten Anlagen Europas. Für Ruderer und Kanuten in München ein Traum. Dennoch haben die Sportler Angst um ihre Zukunft.
Seit 40 Jahren wurde dort nichts mehr saniert. Das sieht man überall. Der Zustand der Unterkünfte hat nicht mal Jugendherbergsniveau. Die Tribüne muss saniert werden. Allein dies kostet nach ersten Schätzungen mindestens acht Millionen – oder sie wird ganz oder teilweise abgerissen.

Ursprünglich gehörte die Anlage Bund, Land und Stadt. Doch der Bund kaufte sich 1992 für 3,5 Millionen Euro frei. Zuletzt zahlte die Stadt 450.000 Euro im Jahr, das Land 150.000. Zum Jahresanfang hat sich auch der Freistaat zurückgezogen. Das habe die Kultusbürokratie ohne den Landtag entschieden, wie die beiden Münchenr Abgeordneten Joachim Unterländer (CSU) und Diana Stachowitz (SPD) berichten. „Die Bedeutung der Anlage geht weit über München hinaus, da kann das Land die Stadt nicht allein lassen“, so Landtagsvizepräsident Franz Maget (SPD).

Im Gegensatz zum Land ist in München der Stadtrat bei den Entscheidungen dabei. Der hat sich grundsätzlich für den Erhalt der Anlage ausgesprochen. Doch jetzt geht es um die Details, wie eine Zukunft aussehen kann. „Das Ziel muss sein, dass diese sportliche Fläche von vielen genutzt wird, ohne jemanden zu verdrängen“, sagt Münchens Sportamtsleiter Rudolf Behacker. Dabei seien auch die Bundesverbände der Ruderer und Kanuten gefragt.

Dafür soll es drei Säulen geben: Leistungssport, Breitensport – und Sportarten, die dort noch nicht vertreten sind. Ungenutzter Platz ist genug da. Am Freitag haben sich Bürgermeisterin Elisabeth Ziegler und Münchens 2. Bürgermeisterin Christine Strobl schon mal vor Ort getroffen.

Im Moment sind alle 20 Nutzer aufgefordert, einen Erhebungsbogen auszufüllen: Was sie nutzen, was sie brauchen und was sie für Ideen haben. Gleichzeitig werden im Sportamt Vorschläge geprüft, die schon auf dem Tisch liegen und Baurechtsfragen: Zum Beispiel ob man die Tribüne halb abreißt und stattdessen einen Sport-Neubau dorthin setzt.
Ende Juni soll es einen runden Tisch mit allen Vereinen vor Ort geben, hat der zuständige Stadtschulrat Rainer Schweppe zugesichert. Anschließend zieht sich das Sportamt in einen Workshop zurück und entwirft ein neues Nutzer- und Finanzkonzept.

Am 7. November wird das dem Stadtrat vorgelegt. „Die Frage ist, was man an sportlichen Nutzungen dort unterbringen kann, und wo man bauen darf“, so Schweppe. Das verschlingt Millionen. Ziel ist: Als Landesleistungszentrum anerkannt werden.

„Wir sind an einer gemeinsamen Lösung interessiert und wollen uns aktiv einbringen“, sagt Thomas Schröpfer, Sportvorsitzender der Rudergesellschaft München 1972 (RGM 72): Der Verein, der sich zu den Olympischen Spielen 1972 gegründet hat, um die damals neue Regattaanlage zu erhalten. Sie hat den Jugend- und Breitensport in letzter Zeit sehr erfolgreich forciert und baut für München neue Schulgruppen auf.

 

1 Kommentar