München Tiefgarage treibt Anwohner auf die Bäume

Anwohner protestieren gegen das Baumfällen am Josephsplatz. Foto: Petra Schramek

Anwohner und Aktivisten protestieren gegen die Abholzung am Josephsplatz und den Bau von 265 unterirdischen Stellplätzen.

München
- Beinahe wie Affen hängen sie im Geäst am Josephsplatz: Die Bäume hier sollen abgeholzt werden. Die Hälfte der Ahorne am Josephsplatz wurde bereits am Montag umgesägt – innerhalb von nur zwei Stunden. Jetzt steht die Arbeit still. Noch. Die Mitglieder der Umweltorganisation „Robin Wood“ kämpfen für den Erhalt der hundert Jahre alten Bäume vor der Kirche.

 

Der Hintergrund: Eine neue Anwohner-Tiefgarage mit 265 Stellplätzen wird hier in den kommenden drei Jahren gebaut. Die meisten Parkplätze sollen künftig für rund 70 Euro im Monat Anwohnern rund um den Josephsplatz zur Verfügung gestellt werden. Der kleinere Teil soll öffentlich vermietet werden. Es ist erst die zweite Anwohner-Tiefgarage Münchens. 2006 wurde in der Donnersbergerstraße die erste ihrer Art eröffnet (286 Stellplätze). Die Planungen der Garage am Josephsplatz haben mehr als zehn Jahre gedauert.

Bis mindestens Freitag wollen die Aktivisten und Anwohner – darunter auch Moderatorin Nina Eichinger – ihre Bäume verteidigen. Bis dahin ist die Rodung vorerst genehmigt worden. Und ab 28. Februar dürfen ohne Sondergenehmigung gar keine Bäume mehr gefällt werden. Dann fangen die Bäume an, Wasser zu ziehen – und Vögel nisten sich ein.

Tag und Nacht verbringen die Baumschützer am Josephsplatz. Vier von ihnen in 15 Metern Höhe, wo sie Plattformen in den Bäumen installiert haben: Die Platten sind mit Zeltplanen überdacht und mit Isomatten und Teppichen ausgestattet. Saukalt ist es trotzdem.

Felix Meier ist einer der Aktivisten. Seit Montag haust der 22-Jährige am Baum. „Die Bäume müssen ständig besetzt sein. Schließlich können jede Minute die Bagger wieder auftauchen.“ Mit Seilkonstruktionen können sich die Anhänger in Windeseile von einem Baum zum nächsten hangeln.

Das Ziel der Umweltaktivisten ist ein umweltfreundlicheres München, wie sie sagen. Das Idealbild: Eine Stadt ohne Autos. „Warum braucht man mitten in der Stadt, wo die U-Bahn vor der Tür ist, 265 neue Parkplätze?“ fragt Celine Magnus. Auch sie ist Mitglied von Robin Wood. „Unser OB Christian Ude sollte mit seiner Grünen-Politik weiter werben. Da passt so eine Tiefgarage nicht rein.“

Unterstützt werden die Aktivisten von den Anwohnern. Regelmäßig bringen sie warmes Essen, Decken und Planen vorbei. Auch einen Ofen haben sie gespendet. Und manch einer hat sogar seine Wohnungen zur Verfügung gestellt. Für warmes Wasser und einen Schlafplatz für diejenigen, die keinen Platz mehr auf einer der Plattformen gefunden haben.

Aufgeben würden sie erst, wenn das Projekt Tiefgarage endgültig ad acta gelegt werde. Solange wollen sie eben noch in den Baumkronen sitzen – und sich die Bauarbeiter von oben anschauen.

 

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