München Streit auf Viktualienmarkt: Der OB greift durch

MÜNCHEN - Der Streit eskaliert: Christian Ude will endlich Frieden auf dem Viktualienmarkt und hat das Problem zur Chefsache gemacht – und dabei Marktchef Rainer Hechinger in seine Schranken verwiesen.

 

Der Streit auf dem Viktualienmarkt schädigt das Image des Markts – und der Stadt. Jetzt hat OB Christian Ude jetzt den Schauplatz zur Chefsache erklärt. „Die Verhältnisse, der Umgangston und das Vertrauen zueinander sind nicht so, wie sie sein müssten“, sagt Ude zur AZ, „insbesondere die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Interessenvertretung der Marktleute.“

Mit dem vergifteten Klima ist Ude unzufrieden: „Ich habe mich in den letzten Wochen gründlich über die Konflikte informiert, die es zwischen den verschiedensten Beteiligten gibt. Daraus hat sich für mich ergeben, dass ich mich um diesen Bereich intensiver kümmern muss.“

Auf dem Kampfplatz stehen an vorderster Front Rainer Hechinger, Chef der städtischen Markthallen, und Christine Hirschauer, Vorsitzende der Interessenvertretung der Händler. „Wenn die beiden zusammentreffen, katapultieren sie sich in die Galaxie“, sagt ein Marktkenner. Auf dem Markt geht es um viel Geld und unterschiedlichste Interessen. „Da sind viele Individualisten unterwegs, und manche Händler fürchten mit dem Umbau Schlimmes“, schildert der Beobachter. „Auch die Interessengemeinschaft hat sich nicht immer mit Ruhm bekleckert.“

Der robuste Chef der Markthallen lässt verbal gern die Muskeln spielen. „Der OB kann Wünsche äußern, mehr aber auch nicht“, soll er in einer Runde mit Händlern gesagt haben, als es um die Umbaupläne für das „Zeltlager am Hindukusch“ (so Ude über den Markt) ging. Hechinger ließ das am Freitag dementieren: „Das ist unzutreffend. Ich bin Berufsbeamter und schlicht weisungsgebunden.“

Auch Ude kam das zu Ohren. „Dieses Zitat ist mir in dem Wortlaut nicht erinnerlich“, sagte er zur AZ, „allerdings ist mir durchaus gegenwärtig, dass sich Herr Hechinger gelegentlich als absolutistischer Fürst und Privateigentümer des Marktes fühlt. Das halte ich für eine fehlerhafte Einschätzung.“

Zweimal war Hechinger wegen des Krachs bei Ude, und der zog die Konsequenzen: Hechingers Vorgesetzte, die Kommunalreferentin Gabriele Friderich, soll den Markt jetzt nach außen vertreten. Denn mit seiner „etwas rustikalen Art“ (so ein Beobachter) stiftet Hechinger zu viel Unruhe. Es geht um das Image des weltberühmten Viktualienmarktes, das durch den Kleinkrieg beschädigt wird.

„Ich denke, dass ich, die Werkleiterin Friderich und der Stadtrat sich des Viktualienmarktes intensiver annehmen müssen“, kündigt Ude an, „gerade angesichts einer bevorstehenden Sanierung und der Erhaltung des historischen Erscheinungsbildes des Marktes.“ Jetzt müssten die grundlegenden Zukunftsfragen geklärt werden. In Ruhe.

Als erstes geht’s mal um das Verhältnis zwischen den Beteiligten. Ude: „Mir ist an einer vertrauensvollen, respektvollen, engen Zusammenarbeit gelegen, und die werde ich wieder herstellen.“

Hat er Hechinger entmachtet? „Das ist eine Schlussfolgerung, die wirklich der Zeit vorauseilt. Es ist weder seriös geprüft, ob ihm irgendetwas vorzuwerfen ist, noch sind Konsequenzen geprüft. Das ist wirklich alles eine Zuspitzung von Leuten, die sicherlich nicht zu seinen Freunden zählen.“

Eine Untersuchung des Personalreferats, so erfuhr die AZ von anderen, hat 2009 nichts gegen Hechinger ergeben.

„Was ich gesagt habe, ist bei Licht betrachtet ja schon schlimm genug“, urteilt Ude: „Dazu stehe ich“. Meinungsverschiedenheiten dürften sein. „Die Frage ist immer der Umgangston, der Respekt voreinander und die Fairness.“ Es sei ein „Stilproblem“: „Es geht nicht um unlösbare, sachliche Probleme am Markt, sondern um die Art und Weise des Umgangs.“ Willi Bock

 

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