München Sexuelle Belästigung im Edelclub: "Und alle schauen weg"

Fassungslos: Jennifer vor dem Szene-Club „Baby“ am Maximiliansplatz. Besuchen wird sie ihn sicher nicht mehr. Foto: Petra Schramek

MÜNCHEN - So schnell wird sie nicht mehr ausgehen. Jennifer P. sagt das mit einem bitteren Lächeln. In einer Disco wurde sie bestohlen und sexuell belästigt. „Und das in einem so genannten Edelclub“, fügt sie hinzu.

 

Die 20-jährige Politologiestudentin aus Ottobrunn war auf der Geburtstagsfeier ihres Ex-Freundes im „baby!“ am Maximiliansplatz. Der erst vor wenigen Wochen mit einem neuen Stockwerk wiedereröffnete Szene-Club steht im Ruf, die härtesten Türsteher der Stadt zu haben. Der Chef des „baby!“ beschreibt das Publikum als „elitär und familiär“.

Als Jennifer gegen halb fünf mit ihrem Ex-Freund und dessen neuer Partnerin zur Garderobe geht, bemerkt sie, dass in ihrer Handtasche Geldbeutel und Schlüsselbund fehlen. „Ich bin kein achtloser Mensch. Die Handtasche habe ich einmal kurz auf den Tresen gelegt und vielleicht wenige Sekunden weggeschaut. Da muss es passiert sein.“

Sie will nach Hause, doch ihr fehlt auch der Garderobenzettel. Der Club-Angestellte verspricht ihr, dass sie die Jacke trotzdem bekommt - sie müsse nur etwas warten. Ihren Freunden dauert es zu lang, sie gehen ohne Jennifer zur S-Bahn.

„Ich stand in der Nähe der Toiletten und habe gewartet. Dann kam dieser Mann, groß und kräftig, mit dunklem Teint.“ Er spricht Jennifer an, begrapscht sie und will sie überreden, mit ihm auf das Herrenklo zu gehen. Die Studentin weist ihn ab, doch der junge Mann bedrängt sie nur noch mehr. Er packt sie am Arm und versucht, sie in die Toilette hineinzuzerren. Jennifer P. wehrt sich, sie kratzt, spuckt und schreit um Hilfe.

„Es standen 15 bis 20 Gäste in der Nähe. Keiner hat was gemacht. Dachten die, wir gehören zusammen?“ Erst als die 20-Jährige auf den Boden stürzt, lässt sie der Mann in Ruhe. „Selbst da hat mir niemand aufgeholfen“, sagt Jennifer immer noch fassungslos.

Sie bekommt bald danach ihren Mantel und geht sofort nach Hause. Sie schämt sich. Noch in der selben Nacht erzählt sie ihrer Mutter von dem Diebstahl, den Übergriff verschweigt sie. „Erst am nächsten Tag rückte sie damit raus. Sie war so komisch, ich wusste, das kann nicht nur wegen den gestohlenen Sachen sein“, sagt ihre Mutter Gabriele. Die beiden gehen zur Polizei und erstatten Anzeige gegen Unbekannt.

„Ich habe wenig Hoffnung, dass sie den Täter finden“, sagt Jennifer. „Obwohl so viele Zeugen etwas gesehen haben müssen. Ich habe der Polizei jetzt mein Kleid zur DNA-Analyse gegeben.“

Ihr Schlüssel wurde mittlerweile im Gebüsch vor dem Club gefunden. Die Betreiber sagen, es habe bisher keine sexuellen Belästigungen gegeben. Man könne die Vorwürfe nicht so recht glauben. „Ich werde als hysterisch abgestempelt“, schreibt Jennifer daraufhin in ihrem Blog. „Hauptsache die makellose Fassade bleibt bewahrt.“chp

 

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