München Selina und Saskia: Ein Herz zum Abschied

Dirk von Poschinger-Camphausen: sein letzter Weg auf dem Münchner Waldfriedhof Foto: Daniel von Loeper

MÜNCHEN - Der ermordete Familienvater Dirk von Poschinger-Camphausen ist zwei Wochen nach seinem Tod auf dem Waldfriedhof bestattet. Selina und Saskia, die Töchter des Managers, haben einen letzten Gruß auf den Sarg gemalt.

 

Mit großen traurigen Augen stehen Saskia und Selina vor dem Sarg ihres Vaters – ein heller Holzsarg, den die beiden Mädchen in den letzten Tagen mit Fingerfarben bunt bemalt haben und in dem der 36-jährige Investmentmanager am Samstagmittag auf dem Waldfriedhof zur letzten Ruhe gebettet wurde.

Ein großes rotes Herz haben die Mädchen auf den Sarg gemalt, dazu einen Regenbogen, Vögel und viele Blumen – eine bunte, eine schöne Welt, die sie zusammen mit ihrem Vater erkunden wollten. „Meine Prinzessinnen“ hatte der ermordete Manager sie immer liebevoll genannt. „Es ist so schön, sie zu beobachten, zu sehen, wie sie größer werden und die Welt aus ihrer Sicht zu betrachten“, hatte Dirk von Poschinger-Camphausen seinen Freunden immer wieder vorgeschwärmt.

„Wenn ich sehe, dass Dirk nicht mehr an eurer Seite ist“, sagte eine Schulfreundin des Managers unter Tränen in ihrer Trauerrede, „tut mir das im Herzen weh. Dirk war ein ganz besonderer Mensch, der euch sehr geliebt hat."

Rund 200 Freunde und Kollegen begleiteten die Familie auf ihrem schweren Gang. Manche waren extra aus London, Frankfurt und der Schweiz angereist. Schweigend folgten sie dem Sarg über den tief verschneiten Waldfriedhof bis zu der Stelle, an der er in die gefrorene Erde hinabgelassen wurde. Drei Kränze schmücken das Grab – einer von Poschingers Eltern, die ihren einzigen Sohn verloren haben: „Du warst mein Ein und Alles“, schrieb die Mutter. „Du bist in unseren Herzen“, schreibt der Vater.

Die Familie war ihm besonders wichtig

Der Investmentmanager Dirk von Poschinger-Camphausen hatte vor knapp einem Jahr beim Finanzinvestor EQT in der Leopoldstraße angefangen. „Erst im Januar war er zum Direktor befördert worden“, sagt sein Chef. Trotz der vielen Arbeit war Dirk von Poschinger-Camphausen seine Familie besonders wichtig. „Deshalb wollte er in diesem Jahr kürzer treten, mehr Zeit mit den Kindern und seiner Frau Daniela verbringen“, erzählt ein Kollege.

Doch ein schreckliches Verbrechen zerstörte am 14. Januar das Familienglück. Beim Versuch, seinen Audi A 8 Quattro zu verkaufen, wurde Dirk von Poschinger-Camphausen von einem Interessenten in eine Falle gelockt und mit 13 Schüssen getötet. Die Leiche wurde zwei Tage später im Lieferwagen eines Elektrikers aus Laim gefunden. Rainer H. (40), sitzt seitdem wegen Mordverdacht in U-Haft.

Was dieses Verbrechen besonders schrecklich macht: Es zerstörte gleich zwei Familien. Auch Rainer H. ist Vater von zwei Mädchen, die ungefähr im selben Alter wie Saskia und Selina sind. Bisher schweigt der 40-Jährige zu den Vorwürfen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord aus Habgier vor. Angeblich hatte er seit längerer Zeit geplant, den Besitzer einer Luxuskarosse zu ermorden, um dessen Auto zu verkaufen.

Die Beweise gegen Rainer H. sind erdrückend. Er hatte via Handy und SMS Kontakt zu Dirk von Poschinger-Camphausen. Er suchte im Internet bereits einen Abnehmer für den A 8 Quattro. In der Garage des 40-Jährigen fand die Mordkommission mehrere Kleinkaliberwaffen. Ob sich darunter auch die Tatwaffe befindet, ist noch nicht bekannt. Ein entsprechendes Gutachten sowie die Analyse der sichergestellten Fingerabdrücke und DNA-Spuren soll in den nächsten Tagen vorliegen. Sein verbissenes Schweigen wird Rainer H. dann auch nicht mehr länger helfen.

Ralph Hub

 

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