München Schweizer Schläger vor Gericht: „Wie ein rauschender Blitz“

Der Prozess gegen die drei Schweizer Schläger geht zu Ende Foto: az

MÜNCHEN - Opfer Wolfgang O. schockiert mit seiner Aussage im Prozess gegen die Schweizer Schläger – die Attacke hat sein Antlitz entstellt.

 

Als Wolfgang O. aus der Bewusstlosigkeit erwacht, denkt er zunächst noch, er sei in seinem Hotelzimmer. Dabei liegt O. schwer verletzt in einer Klinik. Am 30. Juni 2009 wurde kurz vor Mitternacht sein Gesicht zertrümmert, sein Antlitz zerstört. Von den Fußtritten der damals 16-jährigen Schüler Benji D., Mike B. und Ivan Z. aus der Schweiz. Die wollten an jenem Abend „aus Spaß“ Leute „klatschen“, wie sie Ermittlern nach der Tat erzählten. Seit Montag stehen sie wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung vor Gericht.

Es ist ein Protokoll des Grauens, das die Jugendkammer des Landgerichts am Mittwoch hört. Als Gerichtsprecherin Margarete Nötzel und Thomas Steinkraus-Koch von der Staatsanwaltschaft über die Aussage von Wolfgang O. berichten, wirken sogar sie schockiert. Jeder im Saal wäre „wie von Donner gerührt“ gewesen, so Nötzel.

Tritte, "wie gegen einen Fußball"

Der Versicherungskaufmann aus Ratingen (NRW) ist am Abend des 30. Juni von einem Geschäftsessen auf dem Weg zurück ins Hotel. Um 23.23 Uhr begegnet er den drei Schlägern. Zu diesem Zeitpunkt liegen drei Mazedonier im Nussbaumpark am Sendlinger Tor bereits in ihrem Blut (siehe rechts). Sie sind die ersten Opfer der Schläger – und die Gewaltorgie hat erst begonnen. Mike B. schlägt dem damals 46-Jährigen mit voller Wucht die Faust ins Gesicht. Wolfgang O. erinnert sich nur noch an eine Art „rauschenden Blitz“, wie er vor Gericht erklärt – sonst nichts mehr. Wer von den drei Angeklagten geschlagen hat, weiß der Mann nicht mehr. Laut Anklage sollen Mike B. und Benji D. den Kopf des Opfers mit Füßen getreten haben, „wie einen Fußball.“

Das medizinische Gutachten protokolliert: Schädel-Hirn-Trauma, Nasenhöhlenbruch, multiple Brüche im Mittelgesicht, in den Kieferhöhlen, dem rechten Jochbogen. Noch immer hat Wolfgang O. Probleme beim Sprechen, Hör- und Sehvermögen sind eingeschränkt.

Vergebliches Warten auf eine Entschuldigung

Im Januar hatte der nun arbeitsunfähige Familienvater die letzte Operation hinter sich gebracht, weitere werden folgen. In Düsseldorf rekonstruieren Gesichtschirurgen und Spezialisten sein Antlitz, auch sie sollen im Prozess noch aussagen. Wolfgang O. hat Schmerzen und Atemprobleme. Während des Prozesses tupft er sich mit einem Tuch Flüssigkeit aus den Augen, streicht sich Salbe in das mehrfach operierte Gesicht.

Von den Tätern kam nie eine Entschuldigung, nur die Eltern von Mike B. schrieben Wolfgang O. einen Brief. Während seiner Schilderungen sollen auch sie betroffen gewesen sein. Erkennbar entstellt sei Wolfgang O. nicht, doch an die Tat wird er jeden Tag erinnert – „immer, wenn er in den Spiegel schaut.“ Reinhard Keck

 

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