München Rettung der Regatta für die Ruderer und Kanuten

Aufwärmen vor einem Wettkampf auf der Olympia-Regattaanlage in München-Oberschleißheim. Im Hintergrund die Bootshallen. Foto: Wolfgang Walter

Die Bauten von 1972 müssen saniert werden. Jetzt sucht man nach neuen Ideen und Einnahmen

 

München Ruderer, Kanuten, Taucher, Angler, Skater, Schwimmer, Radler, Jogger, Bungee-Jumper und Flaneure bevölkern zu tausenden das ganze Jahr die 85 Hektar große Olympia-Regattaanlage. Mehr als 1000 Sportler sind dort dauerhaft zu Hause. Für die Ruderer und Kanuten ist sie eine der besten Anlagen Europas.

2013 wird für sie aber ein entscheidendes Jahr: Es geht um den Erhalt ihrer 40 Jahre alten Regattstrecke im Münchner Norden. Die ist rundum sanierungsbedürftig. Angesichts der veralteten Gebäude kostet die Sanierung mehrere Millionen Euro, die die Stadt München für eine überregionale Anlage allein aber nicht aufbringen will.

Der Start der 2300 Meter langen Strecke liegt in Feldmoching. Irgendwo vorm Ziel beginnt das Gemeindegebiet Oberschleißheim. Dort stehen auch die Gebäude. Das zeigt auch schon das Dilemma der für die Olympischen Spiele 1972 gebauten Anlage: Sie liegt im Niemandsland – auch politisch. 1992 hat sich der Bund für 3,5 Millionen Euro (6,8 Millionen Mark) freigekauft. Zuletzt zahlte die Stadt 450000 Euro im Jahr und das Land 150000. Seit dem 1. Januar 2012 gibt das Land nichts mehr. Das Kultusministerium will nur den Spitzensport fördern.

Grundsätzlich hat der Stadtrat vor einem Jahr beschlossen: Die Anlage will er erhalten. „Wir wollen sie nicht schließen“, sagt Sportbürgermeisterin Christine Strobl zur AZ: „Doch die Wirtschaftlichkeit muss verbessert werden.“ Sportamtsleiter Thomas Urban arbeitet deshalb mit den Vereinen und den Verbänden engagiert und intensiv an einer Zukunftsperspektive. Die Verbände selbst drängen darauf, dass die Anlage wieder ein Landesleistungszentrum wird. Davon muss aber der Freistaat überzeugt werden.

Bei einem Treffen mit rund 30 Vereinsvorständen gab Sportamtsleiter Thomas Urban jetzt die Wegmarken vor:

- In diesem Jahr geht der Betrieb weiter wie bisher.

- Der Vorrang für Rudern und Kanu auf dem Wasser bleibt erhalten. Bund und Land müssen wieder ins Boot, denn ohne ihr Geld könne die Stadt die Millionensanierung nicht allein stemmen.

- Es müssen zusätzliche Nutzer und Einnahmequellen gefunden werden.

- Die seit 2002 stabilen Mieten werden um 20 Prozent erhöht. Das macht allein für die Rudergesellschaft München rund 2000 Euro im Jahr aus.

- Dafür lobt die Stadt Ende Februar einen Ideenwettbewerb aus – um herauszufinden, was man dort alles unternehmen kann.

- Ende November will Urban mit einem neuen Konzept in den Stadtrat gehen. „Ich bin ehrgeizig und zuversichtlich, dass wir das schaffen.“

Ein Surfcenter, eine Wasserskianlage oder ein Hotel – es hat schon viele Ideen gegeben, die aber alle wieder verworfen wurden. Was aber kommt: Ein Team aus Dachau wird neben der Tribüne auf eigenes Risiko von Mai bis Oktober auf 5000 Quadratmetern einen Kulturstrand aufbauen: Mit vier Sand-Beachball-Feldern, Strandflair, einer Bar mit Speisen und Getränken, Open-Air-Veranstaltungen und Kino. „Ein Biergarten auf Sand und behindertengerecht“, versprechen die jungen Planer.

Unter dem Mantel des Schweigens liegt eine Studie der Stadtwerke über den Zustand der Gebäude. Kenner können sich den denken. Bei einer Umfrage unter den 37 Nutzern kam heraus: Die Unterkünfte haben nicht mal Jugendherbergsniveau, die sanitären Anlagen sind eine Katastrophe, die Gebäude mangelhaft, für die 963 Boote der Ruder- und Kanuvereine fehlt es an Hallen, es gibt keine Gastronomie und nur einen ungenügenden MVV-Anschluss.

Das zu sanieren, kostet einen zweistelligen Millionenbetrag – wenn man das will. Allein wer an die desolate Tribüne ran geht, kommt nach ersten Schätzungen unter acht Millionen Euro nicht aus. Oder sie wird ganz oder teilweise abgerissen. Aber wer zahlt das? Urban: „Dass die Stadt die Anlage allein dauerhaft finanziert, halte ich für schwierig.“

Behindertengerecht sind die Gebäude auch nicht. Dabei wollen die Verbände ein Behindertenzentrum für Rudern und Kanu aufbauen. Neben den Kanuten ist da die Rudergesellschaft München (RGM 72) aktiv. Es gab auf der Anlage schon vier internationale Behindertenwettbewerbe.

Zudem plant der Bayerische Ruderverband dort mit Baden-Württemberg einen „Nachwuchsstützpunkt Süd“. Die RGM 72 ist schon gut dabei: Im Sommer gewann sie bei den deutschen Schülermeisterschaften in Berlin einmal Gold und Bronze, und Nachwuchstalent Stefan Kontos holte beim internationalen Baltic Cup Gold und Silber. Aber: Einen Ruderweltcup wird es vor 2016 nicht mehr geben. Die internationale Juniorenregatta soll bleiben, und die Bayerischen Rudermeisterschaften sollen regelmäßig in München sein. Ungewiss ist derzeit, ob die Uni-Ruderer bleiben: Sie müssen jetzt Miete zahlen, da das Land keine Zuschüsse mehr gibt. Das aber will die Uni wohl nicht.

„Wir sind auf einem guten Weg", meint Sportchef Thomas Urban: „Aber es wird nicht einfach sein.“

 

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