München Reiter und Schmid: Das Duell um den Münchner OB-Sessel

Dieter Reiter (l.) geht (wohl) für die SPD ins Rennen um den Oberbürgermeister-Posten, Josef „Seppi“ Schmid (l.) geht für die CSU ins Rennen Foto: Schramek/Feindt

MÜNCHEN - Es wird endlich wieder spannend: Dieter Reiter hat sich bei der SPD als Neuling schnell nach vorne geschoben. Josef Schmid ist bei der CSU seit 2006 der Kandidat. Wer sie sind und was sie machen.

Sie könnten beide eine Band aufmachen: Der Schlagzeuger und Keyboardspieler Josef „Seppi“ Schmid und der Gitarrist Dieter Reiter.

Zudem sprechen sie die gleiche Sprache: a gscheits Bairisch. Unterm Strich spielen sie den Münchnern aber lieber als konkurrierende Solisten auf.

Denn alles deutet derzeit darauf hin, dass sich Dieter Reiter (SPD) und Josef Schmid (CSU) im März 2014 im Duell um die OB-Wahl gegenüberstehen.

„Ich bin Kandidat seit 2006“, sagt Schmid selbstbewusst. Keiner macht es ihm derzeit streitig. Nachdem bei der SPD jahrelang viele Aspiranten genannt wurden, hat sich der erst seit 2009 amtierende Wirtschaftsreferent Reiter als Neuling langsam in die Pole Position gebracht.

„Es ist bewundernswert, wie er in kurzer Zeit von Null auf Hundert durchgestartet ist und so viele Sympathien findet“, heißt es in der SPD. Neben ihm reißt sich erkennbar nur noch SPD-Ratsfraktionschef Alexander Reissl (52) um die Kandidatur.

Wer sind die beiden? Der AZ verraten sie ihre Vorzüge, Eigenschaften und Vorlieben. Willi Bock

DIETER REITER (SPD)

Zur Person Dieter Reiter ist am19. Mai 1958 in Rain am Lech geboren – und seit 1960 in Sendling aufgewachsen. Er ist verheiratet und hat drei Kinder (24, 23, 22). Die sind alle aus dem Haus: „Das hat eine neue Lebensqualität.“ Seine Frau Petra (48) leitet die Buchhaltung eines mittelständischen Unternehmens.

Berufsweg Der Finanzer steckt in den Genen: Er folgte den Spuren seines Vaters und begann 1981 als Inspektor in der Stadtkasse und hatte mit 28 Jahren schon 60 Untergebene. Seit April 2009 ist er Wirtschaftsreferent. Da reizt ihn die große Bandbreite: Stadtwerke, Arbeitsmarkt – und Wiesn, Wiesn, Wiesn.

Schwerpunkt „Ach, München ist auch da!“ hieß es, als er voriges Jahr bei den Eurocities auftrat. Bei diesem wichtigsten Netzwerk europäischer Großstädte hatte sich die Stadt vor ihm nie blicken lassen. Europa ist sein neues Thema: Da ist viel Geld zu holen. Gerade ist er wieder bei den Eurocities – in Spanien.

Vorbilder „Ich bin ein Schmid-Typ.“ Alt-Kanzler Helmut Schmid hält er „für den begnadetsten Bundeskanzler, seit ich Politik wahrnehme“. Die SPD-Ikone Willy Brandt sei Vorbild „auf einer ganz anderen Ebene“.

Was finden sie an sich gut? „Naja, ich glaube, dass ich ein positiv denkender Mensch bin, meist gut gelaunt und (fast) immer freundlich.“ Er denkt ergebnisorientiert: „Pragmatisch ist manchmal sinnvoller als programmatisch.“

Kochkünste „Ich kann gut essen – aber nicht backen und kochen.“ Das macht seine Frau besser. Seit er als Referent auf Empfängen tourt, mag er keine Häppchen mehr: „Ich esse lieber daheim ein Wurstbrot.“

Musik machen In seiner Freizeit klampft er gerne auf seiner Gitarre. „Das freut meine Frau nicht immer.“ Jetzt steht die Elektro-Gitarre hinter seinem Schreibtisch imBüro – samt Verstärker.

Musik hören Seit der Wiesn gefällt ihm auch „gute Volksmusik“. Oper „eher nicht“: „Ichmag mit Wagner nicht meinen Abend verbringen“. Dafür mag er aktuelle Hits und Alte wie Dire Straits oder Eric Clapton.

Entscheidungstyp Dieter Reiter mag nicht zaudern. „Ich will nicht lange rumreden, sondern bald entscheiden.“ Er will stets Fehler analysieren und versuchen, es künftig richtig zu machen. Und: „Ichmache mich so schnell es geht schlau.“

Entspannen „Von meinem Büro über den Dächern von München einfachmal ins Leere schauen.“

Urlaub „Ich war 15 Jahre lang mit meinen Eltern in Italien – jetzt sagt mir der Norden mehr zu.“ Dänemark oder Norddeutschland. Denn er mag’s nicht heiß: „25 Grad sind mir lieber als 35 Grad.“

Wie das Fußballherz schlägt „Ich bin ein eingefleischter Bayern-Fan, wie schon mein Vater.“ Dieter Reiter hat 15 Jahre lang selber Fußball gespielt.

JOSEF „SEPPI“ SCHMID ( CSU)

Zur Person Der Metzgersohn aus Allach (geboren am 27. September 1969) ist verheiratet und hat zwei Kinder (Leonhard 4, Helena 2). Beim zweiten Kind hat er eine kurze Elternzeit genommen. Seine Frau Nathalie betreut das Internet einer Kosmetikfirma und engagiert sich in einer Brustkrebs-Kampagne

Berufsweg Zuerst studierte er Betriebswirtschaft und danach Jura. Seit 2003 ist er Partner einer Rechtsanwaltssozietät und seit 2007 Fraktionschef der Rathaus-CSU. 2008 scheiterte er gegen Ude als OB-Kandidat. „Ich bin Anwalt geworden, weil es mir Spaß macht, mich für die Menschen einzusetzen.“

Schwerpunkt Seppi hat schnell eigene Zeichen gesetzt und die Münchner CSU mit umgebaut und modernisiert: „Es ist mir sehr viel daran gelegen, dass wir als Münchner CSU von den konservativen Menschen bis in die liberale Mitte der Stadtgesellschaft möglichst viele mit unserer Politik ansprechen.“

Vorbilder „An Kennedy gefällt mir, dass er für die damalige Zeit ein moderner, junger, frischer Politiker war. An Kohl, dass er das geschichtliche Gespür für die deutsche Einheit hatte.“ Und datürlich FJS.

Was finden sie an sich gut? „Dass ich versuche, alle einzubinden, bevor ich eine Entscheidung treffe.“

Kochkünste „Ich esse lieber, weil meine bescheidenen Kochkünste im Schatten meiner Frau stehen. Wir haben eine gute Aufteilung: Ich decke den Tisch.“ Ihm schmeckt fast alles – „außer asiatisch“.

Musik machen In seiner Jugend hat der Schlagzeuger und Orgelspieler in zwei Bands musiziert. „Ich bin kurz davor, mir eine neues Schlagzeug zu kaufen.“ Keine Angst, liebe Nachbarn: Ein elektronisches, ohne Lärm.

Musik hören Da ist er ein Alles-Genießer: „Klassik, gute Schlager, Hardrock und auch mal Volksmusik.“ Früher hat er auch eigene Rock-Pop Songs geschrieben – und gespielt.

Entscheidungstyp „Man muss in der Politik manchmal schnell entscheiden, das tue ich auch. Aber man kann heute bei großen gesellschaftlichen Entscheidungen wie der Integrationsfrage nicht mehr per ordre de mufti entscheiden, sondern man muss die Menschen mitnehmen.“

Entspannen „Am besten mit Musik.“

Urlaub Da ist für den Pasta-Fan Josef Schmid „Italien ungeschlagen“. Fazit: ImUrlaub werden sich die Duellanten eher nicht über den Weg laufen.

Wie das Fußballherz schlägt Da mag der Schwarze sich nicht öffentlich zwischen den blauen Sechzgern und den roten Bayern entscheiden. „Ich bin eher ein Handballer, und habe in der Jugend beim TSV Allach 09 gespielt.“

 

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