München Rechtes Pärchen schlägt Afrikaner zusammen

Die Angeklagten: Enrico A. und Tina S. Foto: Torsten Huber

MÜNCHEN - Erst sollen sie ihn als "Neger" beschimpft haben, danach haben sie zugeschlagen: Der Afrikaner Amadu W. wurde Opfer eines gewalttätigen Pärchens aus der rechten Szene. Der Täter und die Täterin stehen vor Gericht.

 

Ein fröhlicher Oktoberfest-Besuch endete für den Afrikaner Amadu W. (38) im Krankenhaus. Er wurde von einem Pärchen, das die Polizei zur Rechten Szene zählt, am Münchner Hauptbahnhof zusammengeschlagen.

Die arbeitslose Tina S. (22) und ihr Ex-Freund Enrico A., der früher 1860-Hooligan war und wegen seiner Drogensucht in Haar untergebracht ist, stehen vor dem Münchner Amtsgericht. Der Vorwurf: gefährliche Körperverletzung.

28. September 2009, 23.30 Uhr, Tramhaltestelle Hauptbahnhof, Schützenstraße: Amadu W. war angetrunken, wollte mit der Tram Heim nach Schwabing. Mit „Arschloch und Wichser“, soll Tina S. laut Anklage Amadu W. angepöbelt haben. Dann schlug sie ihn zu Boden, trat ihm zwei Mal ins Gesicht. Enrico A. soll auch geschlagen haben.

Die Mutter eines Kindes (4) gestand: „Ich habe ihn geschlagen und getreten. Er hat mich davor als Hure und Schlampe beschimpft.“ Hartz-IV-Empfänger Enrico A.: „Wir waren mit anderen am Bahnhof, tranken Jacky-Cola. Er hat uns angemacht, mich an den Handgelenken festgehalten. Ich habe ihn nur von mir weggeschubst.“

Der Richter wollte wissen, ob die Angeklagte zur „Rechten Szene“ gehöre. Tina S. genervt: „Ich habe eine gewisse Einstellung.“ Heute lebe sie mit Kind und neuem Partner zusammen, will eine Ausbildung machen.Enrico A. wuchs in Weimar auf. Nach der Wende kam er mit 16 Jahren zu Drogen. Er ist bereits wegen eines „Heil-Hitler“-Grußes auf dem Marienplatz vorbestraft (Strafe: 900 Euro). Er will „clean“ werden, eine Ausbildung machen.

Opfer Amadu W. ist Spüler im „Brenner’s“, weiß kaum noch was. Er glaubt Enrico A. habe zuerst geschlagen: „Ich spürte eine Hand. Der Angeklagte sagte Neger. Dann der Schlag. Ich ging zu Boden. Ab da weiß ich nichts mehr.“ Er kam mit Prellungen und einer verlorenen Zahnfüllung davon. Der Prozess dauert an. th

 

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