München Rauchverbot: Jetzt gehen die Wirte auf die Barrikaden

„Aktionsbündnis Bayern sagt Nein!" Foto: AZ

MÜNCHEN - Mit Blick auf den Volksentscheid zum Nichtraucherschutz in Bayern haben sich Gegner eines totalenRauchverbots zum „Aktionsbündnis Bayern sagt Nein!“ zusammengeschlossen.

 

Voraussichtlich am 4. Juli entscheiden die Bayern darüber, ob es in Bayern zu einem absoluten Rauchverbot kommt – oder nicht. Gut drei Monate vor dem Volksentscheid machen jetzt Wiesn-Wirte, Gastronomen, Vertreter von Brauereien und Tabakindustrie gegen eine mögliche Gesetzesänderung mobil.

Mit dem „Aktionsbündnis für Freiheit und Toleranz“ wollen sie das totale Rauchverbot in Bayern verhindern. Gestern stellten sie im Gasthaus „Pschorr“ in der Schrannenhalle ihre Kampagne vor.

„Mit dem bestehenden Nichtraucherschutzgesetz ist bereits jetzt ein gutes Miteinander möglich“ betonte Wiesn-Wirte-Sprecher Toni Roiderer, der dafür plädierte, dass auch im Bierzelt weiterhin geraucht wird.

„Ein Gast, der sich im Bierzelt Lebensfreude gönnt, ist nicht vergleichbar mit einem, der zum Essen geht“, sagte er. Und: Die neuen Zelte könnten ausreichend gelüftet werden. Was den Volksentscheid betrifft, gibt sich Roiderer optimistisch: „Beim Volksbegehren haben nur die abgestimmt, die ein absolutes Rauchverbot wollten, diesmal sind alle Bürger gefragt.“ Ziel des Bündnisses sei es, die Wähler zu überzeugen, dass der bestehende Nichtraucherschutz ausreicht.

Teil der Aufklärungskampagne sind blaue Flyer, die das Bündnis ab sofort verteilen will. „Nein zum totalen Rauchverbot!“ steht darauf in weißen Lettern. Auch Plakate sind geplant. Und außerdem? „Lassen Sie sich überraschen, was wir weiter unternehmen“, hielt sich Franz Bergmüller, Vorsitzender des Vereins zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur (VEBWK) bedeckt.

Der VEBWK ist Initiator des Bündnisses. Ins Boot geholt hat der Verein auch den Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband, den Bayerischen Brauerbund und die Mittelständischen Unternehmen der Tabakindustrie. Wie stehen die Parteien zu dem Bündnis? „Die brauchen wir nicht, wir haben genügend Rückgrat“, sagt Toni Roiderer. Nur die Bayernpartei konnte das Bündnis für sich gewinnen.

Die Kampagne gegen das strikte Rauchverbot lässt sich die Interessengemeinschaft durchaus etwas kosten: Für die Aktionen sind derzeit 615000 Euro eingeplant. Etwa die Hälfte übernehmen die Wirte. 150.000 Euro steuert der Deutsche Zigarettenverband bei. Weitere 25 Prozent kommen von Zulieferern und Händlern.

Und was, wenn das Gesetz am Ende doch kippt? „Wenn kleine Kneipen 20 bis 30 Prozent der Gäste verlieren, können sie zumachen“, prognostizierte der Geschäftsführer der Privaten Brauereien Bayern, Werner Gloßner. Er warnt davor, die geltenden Ausnahmen des Rauchverbots abzuschaffen: In „getränkegeprägten“ Kneipen unter 75 Quadratmetern darf geraucht werden. Ebenso in abgetrennten Nebenräumen größerer Gaststätten sowie Diskotheken. Laut dem Bündnis soll das auch so bleiben. Anne Hund

 

0 Kommentare