München Neun Verletzte: Die Explosion in der Türkenstraße

Trümmerfeld: Zerbrochenes Glas liegt am Boden, ein Polizeibeamter sperrt den Unfallort ab. Foto: Gregor Feindt

Offenbar ist eine Gas-Kartusche im Laden eines Goldschmieds detoniert: Passanten erleiden Schnitte, Prellungen und Schrammen – und doch ist es fast ein Wunder, dass nicht mehr passiert ist. Die ganze Geschichte.

 

Maxvorstadt - Vor der Hausnummer 63 liegt eine zerfetzte Schaufensterpuppe. Es hat ihr die Kleider weggerissen. Das Schaufenster der Boutique „Patina“ ist über die ganze Straße geflogen. Vor dem Modegeschäft klebt Blut auf der Straße – und am Lametta, das aus der Boutique geblasen wurde. Die goldenen Fäden bedecken den Gehsteig in der Türkenstraße. Es sieht schlimm aus in der Maxvorstadt.

Gegen 13.10 Uhr ist die Welt zwischen Schelling- und Adalbertstraße noch in Ordnung. Im „Rossini“ feiern Fürstin Inge Wrede und ihr Mann Peter Lanz gerade 20. Hochzeitstag. Und Joao Filipe Monteiro (37) serviert Getränke im „Café Zeitgeist“. Gegenüber arbeitet Goldschmied Hans S. in seinem „Gold- und Silvermarket“. Plötzlich fliegt sein Laden in die Luft.

Monteiro rennt sofort mit einem roten Feuerlöscher hinüber und löscht die Flammen in der Goldschmiede. Dann versorgt er die Verletzten, so gut er kann. „In so einem Moment hast du keine Zeit, Angst zu haben. Da willst du nur noch helfen“, sagt er später.

In der Goldschmiede liegt der verletzte Hans S. Seine Frau ist auch da – unverletzt, aber schockiert. Ihren Schmuck hat es auf die Straße geschleudert, sie irrt darin herum. Monteiro hört, wie sie Passanten anfleht: „Bitte geben Sie ihn mir zurück.“

Auf der Straße blutet ein Mann aus dem Gesicht. Kurz bevor die Goldschmiede explodierte, hatte er mit seiner Frau noch ins Schaufenster geschaut. Er hat Geburtstag und das Paar suchte nach einem Geschenk. Die Druckwelle hat auch zwei Männer von ihren Fahrrädern gerissen. Sie liegen mit Schürfwunden auf dem Asphalt.

Als die Feuerwehr ankommt, riecht es nach Gas. Das ist nach ersten Erkenntnissen auch die Ursache. Das Haus hat einen Anschluss. Die Goldschmiede hängt nicht an der Leitung, doch im Laden befanden sich Gasflaschen. Hans S. brauchte sie für seine Arbeit.

Die Polizei sperrt die Türkenstraße zwischen Adalbert- und Schellingstraße ab. Es besteht akute Explosionsgefahr. Die Anwohner müssen ihre Wohnungen verlassen. Schaulustige bevölkern die Straße, manche mit Zigarette in der Hand. Die Stadtbusse werden umgeleitet. Ringsum herrscht Chaos. Autos stauen sich vom Königsplatz bis hoch zur Münchner Freiheit.
Sanitäter versorgen die Verletzten, Goldschmied Hans S. kommt ins Krankenhaus.

Bilanz: Zwei mittelschwer Verletzte, sieben Menschen erleiden Schnitte, Prellungen und Schrammen. Glasscherben sind bis auf die gegenüberliegende Straßenseite geflogen, im Umkreis von 15 Metern liegen dicke Glassplitter von Schaufenstern. Sechs Autos wurden demoliert. Gesamtschaden: über 100 000 Euro.

Ein Statiker prüft, ob das vierstöckige Haus einsturzgefährdet ist. Es ist stabil – bis auf die Wohnung direkt überm Laden. Die Explosion hat den Boden angehoben.

 

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