München Nach Lerchenberg-Rücktritt: Zeit wird’s für eine Schwester Barnaba

Michael Lerchenberg 2010 als Barnabas Foto: dpa

Wer soll künftig auf dem Nockherberg derblecken? Politiker grübeln schon mal – und manch einer wünscht sich eine Frau.

 

MÜNCHEN Nockherberg verkehrt: Beim Salvator versuchten die Politiker-Doubles im Singspiel ihren „Superstar“ zu casten – und fanden ihn nicht. Jetzt bat die AZ die Politiker, ihren Super-Fastenprediger fürs nächste Jahr zu wählen. Offensichtlich ist der künftige Bruder Barnabas aber eine ganz heikle Sache.

Münchens OB Christian Ude (SPD) lehnte eine Casting-Auswahl zuerst ab: „Ich finde dies eine grauenvolle und albtraumhafte Vorstellung, dass Politiker eine Wunschliste bekannt geben. Dann würde das Derblecken wieder ein Spiel von Hofnarren, die zur Belustigung auftreten. Wie es das schon einmal gab.“ Seine Befürchtung: „Dann könnte die bayerische Staatsregierung mitteilen, welcher Minister welchen Kabarettisten ablehnt.“ Schließlich ließ er aber doch eine kleine Wunschliste durchblicken. „Am geistreichsten“ habe er Bruno Jonas gefunden und „am treffendsten“ natürlich sein Double Uli Bauer. Ihn wünscht er sich nächstes Jahr auf den Nockherberg zurück.

Bruno Jonas ist der Favorit bei den Politikern. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU): „Ich sehne mich nach Bruno Jonas zurück.“ Josef Schmid, CSU-Fraktionschef im Münchner Rathaus: „Am liebsten möchte ich von Bruno Jonas derbleckt werden. Diese feinen Spitzen, diese Hintergründigkeit – das macht er brillant. Er ist einfach der Meister des verbalen Floretts. Er würde einen nie persönlich herabwürdigen.“

Umweltminister Markus Söder hat als Franke natürlich andere Präferenzen: „Ich schlage Waltraud und Mariechen vor. Endlich mal zwei Fränkinnen auf dem Nockherberg. Die haben die notwendige Lebenserfahrung und Gelassenheit für diesen schwierigen Job.“

Für Frauen-Power sind auch Claudia Roth und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, aber für echte. Die Grünen-Chefin: „Die Zeiten, in denen Frauen nur das Bier heranschaffen, das die Männer dann trinken, sind vorbei. Der Nockherberg braucht eine Frau. Die Monika Baumgartner als ,Schwester Barnaba’ - das wär’ doch eine Besetzung!“ Und die FDP-Bundesjustizministerin: „Es ist Zeit für eine Zäsur. Ich könnte mir gut vorstellen, dass beim nächsten Mal eine Frau das Derblecken übernimmt.“

Ihr Parteifreund, Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil, ist da offen: „Ich bin für jede oder jeden, der über bissigen bayerischen Hintersinn verfügt. Da gibt es viele.“ Ministerpräsident Horst Seehofer denkt offensichtlich noch an einen „Bruder“: „Mir ist jeder recht, der die Fähigkeit zum Hintersinn hat.“

Finanzminister Georg Fahrenschon hat’s da leicht. Sein Super-Kabarettist ist ganz klar: Django Asül. Doch der ist schon vergeben. Nach seinem Ausscheiden am Nockherberg landete der damalige Finanzminister Erwin Huber einen Coup und engagierte den Polit-Kabrettisten fürs staatliche Derblecken. Sein Nachfolger Fahrenschon kann sich nun stolz an die Brust klopfen. „Ich freue mich auf den Maibockanstich im Hofbräuhaus. Da hat Django Asül mit seinem hintergründigen Wortwitz schon letztes Jahr die Gäste begeistert.“ bö, jo, lj, wbo

 

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