München MVV-Schlamassel: Erst versetzt, dann besetzt

Helmut G. ist nicht gut zu Fuß. Als er angehumpelt kommt, fährt die Tram gerade weg. Doch seine Beschwerde bleibt ungehört. Foto: Petra Schramek

M(eistens) V(öllig) V(ergeblich): Das MVV- Infotelefon ist gerade gar nicht so einfach zu erreichen – wie Helmut G. feststellen musste.

 

München - Die Trambahn fuhr ihm direkt vor der Nase weg. Dabei hatte er sich so beeilt. Der 84-jährige Helmut G. kam gerade vom Arzt. Arthrose, Meniskus-Probleme und eine alte Kriegsverletzung – der gebürtige Münchner ist nicht gut zu Fuß. Deshalb braucht er auch eine Krücke. Als er die 12er Tram an der Haltestelle Neuhausen stehen sah, humpelte er hurtig über die Gleise. „Der Fahrer hat mich sehen müssen“, sagt Helmut G. Trotzdem sei er losgefahren, erzählt der gehbehinderte Rentner. „Da war ich bloß noch drei Meter weit weg.“

Freilich sei es nicht schlimm, ein paar Minuten auf die nächste Tram zu warten, sagt er. Trotzdem hat Helmut G. sich über den Zwischenfall ziemlich geärgert. „Das ist doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass man wartet, wenn einer daher humpelt. Das wären doch bloß fünf Sekunden gewesen!“ Helmut G. wollte die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Er suchte sich die Nummer vom MVV-Infotelefon raus, um sich zu beschweren. Oder wenigstens den richtigen Ansprechpartner genannt zu bekommen. Was in diesem Fall die MVG gewesen wäre.

Am Freitag probierte er es von 9 bis 14 Uhr. Vergeblich. Kein Durchkommen. Am vergangenen Montag dasselbe Problem. Alle Versuche unter der 41424344 endeten mit der automatischen Ansage einer freundlichen Stimme, dass alle Leitungen belegt seien – und man es später nochmal probieren sollte. Am Montag dasselbe Theater. Kein Durchkommen. Da habe er sich erst recht hilflos gefühlt, sagt der 84-Jährige. „Der MVV hat offensichtlich kein Interesse, von solchen Vorfällen zu erfahren.“

Was war da los? Die AZ hat nachgefragt. „Es liegt kein technischer Defekt vor“, sagt Beate Brennauer vom MVV. Aber: „Wir haben seit mehreren Tagen Engpässe.“ Derzeit würde nur eine einzige Dame die Anrufe entgegen nehmen. Eine andere Mitarbeiterin, die sonst am Infotelefon sitzt, sei in Urlaub. Normalerweise sei diese Besetzung zur Ferienzeit auch ausreichend, meint Brennauer. Schwieriger würde es nur, wenn Störungen hinzukämen. „Bitte Geduld haben! Und nochmal anrufen“ rät sie den Kunden. Wahlweise könnten sie auch via Internet Kontakt aufnehmen.

CSU-Stadtrat Marian Offman findet: „Mit Kundenservice und Kundenfreundlichkeit hat das nichts zu tun.“ Er plädiert für die Schaffung einer echten, gemeinsamen Service-Nummer für die S-Bahn und die MVG-Verkehrsmittel – also Tram, U-Bahn und Bus. „Und die muss kostenlos und auch erreichbar sein.“

 

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