München Mitten ins Herz: Frau ersticht Ehemann - sieben Jahre Haft

Sieben Jahre muss die 30-Jährige ins Gefängnis Foto: Torsten Huber

MÜNCHEN - Im Streit um ihre Kinder greift Natasa S. zum Küchenmesser und rammt es ihrem Mann in die Brust. Für den tödlichen Stich wird sie zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt

 

Die dreifache Mutter Natasa S. (30) versucht, ihre Tränen zu unterdrücken, als der Schwurgerichts-Vorsitzende Michael Höhne das Urteil verliest: „Die Angeklagte ist schuldig des Totschlags. Sie wird zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.“

Vor den Augen ihrer Kinder hat Natasa S. am 3. Januar 2010, gegen 15.55 Uhr, ihrem gewalttätigen Mann Ljuba S. (38) ein Küchenmesser in die linke Brust gerammt. Die 13 Zentimeter lange Klinge traf genau das Herz. Der Ehemann verblutete in der gemeinsamen Wohnung.

„Die Ehe der Angeklagten und Ljuba S. war eine Vorzeigeehe. Das war aber nur die Fassade nach außen“, sagt der Vorsitzende Richter Höhne in seiner Urteilsbegründung. Was in der Beziehung wirklich passierte, habe kaum jemand mitbekommen.

Ljuba S. ist arbeitslos. Schulden von insgesamt 9000 Euro belasten die Familie. Die Wohnung mit den drei Kindern (1,3 und 12 Jahre) sei zu klein gewesen. „Der Ehemann hat in der beengten Wohnung keine Ruhe finden können“, sagt Höhne.

Die Angeklagte Natasa S., die als Reinigungskraft jobbte, hat im Verfahren ausgesagt: „Wenn meine Kinder geweint haben, wurde Ljuba aggressiv. Er hat sie geschlagen. Mich hat er auch verprügelt, wenn ich mich dazwischen gestellt habe.“

Am Tattag weint die kleine Valentina (3), weil sie wegen der Kälte nicht mit ihrer großen Schwester (12) nach draußen darf. Valentina bekommt einen Schreianfall. In ihrem Jähzorn verletzt sie sich in der Küche am Fuß. Die Schreie werden noch lauter. „Die Eltern wenden sich Valentina zu. Der Vater schreit das Kind an. Die Mutter beugt sich schützend über Valentina“, sagt Höhne. Der Vater schreit das Kind an: „Hau ab, mit dir will ich nichts mehr zu tun haben.“ Er schlägt der Angeklagten ins Gesicht und sagt: „Willst du noch mehr Schläge?“ Die Angeklagte blutet aus dem Mund. Ein Schneidezahn ist locker.

Natasa S. greift in der Küche, in der Valentina und Dragan (1) sind, zum Messer: „Ich habe einfach zugestochen. Ich wollte nicht, dass er stirbt. Ich habe ihn so geliebt.“ Ein Stich, der tödlich ist.

Die Verteidigung Heidi Pioch und Nikolaus Köhler-Freese plädierten auf eine Haftstrafe von nicht mehr als vier Jahren. Die Staatsanwalt verlangte achteinhalb Jahre. Torsten Huber

 

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