München „Mein Mann schießt ...“

Familiendrama in Freising: Leichen werden aus dem Wohnhaus gebracht Foto: Georg Barth

MÜNCHEN/FREISING - Familiendrama in Freising: 40-Jähriger tötet sein Kind (5), feuert auf seine Frau, dann erschießt er sich. Was war das Motiv der Bluttat?

 

Ständig fragt der kleine Ronart im Krankenhaus nach seiner Mama. Doch niemand bringt es übers Herz, dem Zweieinhalbjährigen die schreckliche Wahrheit zu erzählen. Sein Vater hat in der Nacht zum Karsamstag in der Wohnung der Freisinger Familie eine Pistole gezogen und wild um sich geschossen. Ronarts Mutter ringt mit dem Tod, sein Bruder Aulon (5) ist tot, Vater Ayet hat sich erschossen.

Rührend kümmern sich Ärzte und Krankenschwestern um den Buben. Er wird noch einige Tage in der Münchner Klinik bleiben, bis die Polizei weitere Verwandten ermittelt hat. In München lebt ein Onkel. Er ist allerdings über die Feiertage verreist. Er besucht Verwandte im Kosovo. Die gesamte Familie stammt aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Ein Psychologe des Kriseninterventionsteams kümmert sich derzeit um Ronart. Behutsam versucht er dem Buben zu erklären, was sich in der Nacht zum Karsamstag Schreckliches ereignet hat.

Kurz vor Mitternacht taucht Ayet K. in der Wohnung seiner Familie auf. Nachbarn berichten von einem lauten Streit. Dann krachen mehrere Schüsse. „Ich hab eine Frau schreien gehört“, erzählt Heidrun Pape. Als sie ins Treppenhaus läuft, um nachzusehen, klebt Blut an der Wand.

Kurz zuvor war bei der Polizei ein Notruf eingegangen. „Mein Mann schießt in der Wohnung“, schreit Dionore K. ins Telefon. Ein Streifenwagen rast zum Tatort. Dinore K. hat noch das Telefon in der Hand, als die Beamten eintreffen. Ihr Mann liegt tot am Boden: Kopfschuss. „Die Waffe, eine tschechische Pistole, hat er sich illegal besorgt“, sagt ein Polizeisprecher.

Ayet K. hat mit der Waffe seinem Sohn Aulon in die Brust geschossen. Der Bub wird tot in seinem Zimmer gefunden. Dinore K. hat er mit Schüssen in die Brust lebensgefährlich verletzt. Sie wird noch in der Nacht im Freisinger Krankenhaus operiert. Ihr Zustand ist kritisch. Nur der kleinen Ronart bleibt völlig unverletzt – warum, ist unklar.

Ronarts Eltern haben sich vor etwa einem halben Jahr getrennt. Ayet K. zog nach Hohenkammer. Seine Frau und die Buben blieben in Freising. „Sie war sehr einsam“, erzählt eine Freundin. Dinore K. wollte ein neues Leben beginnen. In einem Förderzentrum machte sie einen Deutschkurs, wollte sich einen Job suchen. Für ihre zwei Söhne hatte sie Plätze im Kindergarten gefunden.

Ayet K. war immer sehr eifersüchtig. Ständig spionierte er seiner Frau nach. Manchmal, so berichten Freunde, habe der Busfahrer die 32-Jährige auch geschlagen. Zuletzt schien sich die Situation zu entspannen. „Er hat die Kinder öfters besucht, sie am Wochenende abgeholt und etwas mit ihnen unternommen“, erzählt eine Freundin der Familie.

Doch Ayet K. hat unter der Trennung von seiner Familie gelitten. Ein Arbeitskollege berichtet, er habe manchmal niedergeschlagen und depressiv gewirkt.

Doch dann änderte sich die Situation schlagartig. Nach einem Urlaub auf dem Balkan wirkte der 40-Jährige wie verwandelt. Einem Nachbarn erzählte Ayet K., er habe eine andere Frau kennengelernt. Wollte er seine Familie auslöschen, weil sie seinem neuen Glück im Weg stand? Sein Motiv nimmt Ayet K. mit ins Grab. Seine Ehefrau liegt noch im Koma. Ralph Hub

 

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