München Liebe per Speichelprobe

Handarbeit: Der Münchner Student Andreas Reichert forscht im Labor nach dem, was Menschen verbindet. Foto: Petra Schramek

Ein Münchner Biotechnologiestudent hat ein ungewöhnliches Dating-Portal gegründet. Er will perfekte Paare durch einen Gentest ermitteln und vereinen. Es geht um den Geruch

 

MÜNCHEN Die modernste Form der Partnersuche sieht seit dieser Woche so aus: Singles sitzen einsam bei sich zu Hause. Von der großen Liebe träumend reiben sie sich mit einem speziellen Wattestäbchen die Wangeninnenseiten entlang. Dann stecken sie die Speichelprobe in ein steriles Tütchen und schicken sie zur Analyse ins Labor. Dort machen ein paar Wissenschaftler Untersuchungen – und zack: Wenige Tage später können die Suchenden auf einer Internet-Partnerbörse lesen, wer perfekt zu ihnen passt. Schluss mit peinlichen Baggerversuchen in der Disco und plumpen Anmachsprüchen im Fitnessstudio. Ein Gentest soll Gewissheit bringen.

Was unromantisch klingt, ist die raffinierte Geschäftsidee von Andreas Reichert (26). Er studiert zwar noch Biotechnologie in Freising, darf sich aber schon Geschäftsführer einer eigenen Firma nennen. Die Idee kam ihm vor anderthalb Jahren: Eine Agentur, die im Labor die perfekten Paare ermittelt, in den USA gibt es so etwas bereits. Zwei Mitarbeiter hat er schon: Eine Verantwortliche für Presse und Marketing und einen IT-Experten, der die Seite der neuen Online-Singlebörse namens Gmatch betreut, die diese Woche online geht.

Eine absurde Methode? Eine Abzocke verzweifelter Singles? Reichert ist überzeugt von seiner Idee. Kritiker watscht er ab: „Das sind oft Menschen, die es selbst nicht geschafft haben, ein eigenes Projekt auf die Beine zu stellen“, sagt er selbstsicher. Und: „Unsere Methode lässt sich wissenschaftlich erklären.“

Und zwar so: „Wie beispielsweise Zebrafische und Mäuse erschnüffeln Menschen unbewusst, wer am besten zu ihnen passt.“ Verantwortlich für den Geruch sei ein Satz bestimmter Gene namens Major Histocompatibility Complex, kurz: MHC. Diese Gene sind für das Immunsystem zuständig. Je vielfältiger sie sind, desto effektiver ist die Abwehr von Krankheitserregern.

Was ist mit Charakter, Aussehen, Lebensstil?

Männlein und Weiblein mit unterschiedlichen MHC-Genen können sich „gut riechen“, sagt Reichert. Hintergrund: Eine erfolgreiche Schwangerschaft und gesunden Nachwuchs wird durch die genetischen Unterschiede wahrscheinlicher. Ein von Gmatch beauftragtes Unternehmen dröselt im Labor diese Erbinformation auf. Den Kunden kostet das 139 Euro.

Doch was ist mit Charakter, Aussehen, Lebensstil? „Das ist auch wichtig“, räumt Reichert ein. Wir Menschen sind eben keine Zebrafische. Deswegen können Singles auf der Internetplattform auch ein Profil anlegen. Mit Bild und persönlichen Angaben wie ihren Hobbys.

Sie schauen dann anhand der Profile, wer ihnen gefällt. Ist nach dem digitalen ersten Eindruck ein potentieller Partner dabei, starten die Suchenden per Mausklick das genetische Matching: Der Computer zeigt dann auf einer Skala von eins bis zehn an, wie gut sich die beiden riechen können. 25 Euro kostet das monatlich nach den ersten 90 Tagen.

„Liebe ist keine schicksalhafte Fügung“

Nicht wirklich romantisch, gibt Reichert zu. Aber gut für Menschen, die wenig Zeit haben für frustrierende erste Dates und sowieso im Internet suchen, meint er. Partnerwahl für den modernen, vielbeschäftigten Single eben: Keine große Überraschungen, sondern knallharte Fakten. „Liebe ist keine schicksalhafte Fügung“ heißt es auf gmatch.org.

Reichert glaubt, mit seiner Agentur Geld verdienen zu können. Schließlich hat er auch viel investiert. Zahlen nennt er nicht. „Aber ich hatte zeitweise drei Jobs: Als wissenschaftlicher Mitarbeiter, als Werksstudent und beim Bayerischen Roten Kreuz. Aber eine gute Idee sollte natürlich nicht am Geld scheitern“, sagt der Münchner selbstbewusst.

Wenn Reichert in den vergangenen anderthalb Jahren nicht gerade gearbeitet hat, dann stand er im Labor und tüftelte an seinem Projekt. Befreundete Paare mussten für Speichelproben herhalten. So hat Reichert die Technik, entsprechende Gene zu analysieren, verfeinert, wie er erzählt.

Bei seiner Plattform Gmatch wird sich Andreas Reichert aber nicht anmelden. Er ist in festen Händen, seine Freundin hat er - ganz altmodisch – bei der Arbeit kennen gelernt und selbst erschnüffelt. Im Labor haben sie ihre Gene nicht getestet.

Aus Angst vor dem Ergebnis? „Nein, wir wissen, dass die Methode funktioniert und dass wir zusammen passen.“

Lissy Kaufmann

 

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