München Krippenplatz: Das Geschäft mit den Kitas

Wer drin ist, hat Glück gehabt: Kita-Plätze sind heiß begehrt. Foto: dpa

MÜNCHEN - Die Agentur „Starfamily“ vermittelt Krippen-Plätze an Eltern, die verzweifelt auf der Suche nach einer Betreuungsmöglichkeit sind – Kostenpunkt der Dienstleistung: 1050 Euro.

 

Die Suche nach einem Krippenplatz bringt berufstätige Eltern in München an die Grenze der nervlichen Belastbarkeit. Was, wenn die Anmelde-Odyssee erfolglos bleibt? Was, wenn das Kind nirgendwo unterkommt?

Genau hier setzen Familienagenturen an. Wer es sich leisten kann, gibt die Suche aus der Hand und bezahlt für die Beschaffung einer Betreuung. 1050 Euro plus Mehrwertsteuer kostet die erfolgreiche Vermittlung eines Krippenplatzes zum Beispiel bei der Agentur „Starfamily“. Ursprünglich richtete sich das Angebot eher an Firmen. Doch dann wurde es zum Selbstläufer. Immer mehr Eltern kamen auf die Agentur zu.

„Jedes Geschäft ist eine Frage von Nachfrage und Angebot“, sagt Starfamily-Gründerin Jeannine Böttcher (38), selbst Mutter zweier Buben. „Die Leute, die zu uns kommen, sind schon sehr dankbar, dass wir ihnen helfen.“ Doch diese Hilfe muss man erst einmal bezahlen können. So ist es nicht verwunderlich, dass unter den Kunden vorwiegend Akademikerinnen und viele Frauen in Führungspositionen sind. Für immerhin 60 Prozent der Vermittlungen im vergangenen Jahr kamen die Arbeitgeber auf.

Auch Caroline Lasser (35) nahm den Dienst der Agentur in Anspruch. Die Mathematik-Professorin hatte vergeblich nach einer Betreuung für ihre eineinhalb Jahre alte Tochter Larina gesucht, als die Familie vor einigen Wochen von Berlin nach Bayern zog. Bei 70 Einrichtungen probierte sie ihr Glück. „Das war unglaublich nervenaufreibend.“ Erst mit Hilfe von Starfamily fand sie einen Krippenplatz.

Gerade im Vergleich zu Berlin gewann Caroline Lasser den Eindruck: „München tut definitiv zu wenig in Sachen Betreuung.“ Die Familienagenturen würden nur die Lücke nutzen, die die Stadt lässt. „In einem idealen Gemeinwesen würde es sie gar nicht geben.“

Der Versorgungsgrad: Magere 22 Prozent

Aber von ideal ist München noch weit entfernt. Derzeit gibt es 8694 Plätze in Krippeneinrichtungen. Das entspricht einem Versorgungsgrad von 22 Prozent. Tagesmütter und Eltern-Kind-Initiativen eingerechnet, werden zwar fast 29 Prozent erreicht. Aber auch das deckt den tatsächlichen Betreuungsbedarf noch lange nicht. Der perfekte Nährboden für Familienagenturen.

In städtischen Krippen können „Platz-Makler“ übrigens nichts ausrichten. Da kommt niemand an den langen Wartelisten vorbei. Ansonsten funktioniert das System so: Die Agentur Starfamily hat verschiedene Zielgruppen. Dazu gehören auch Kita-Träger. Ihnen vermitteln sie bei Bedarf Erzieherinnen oder Kinderpflegerinnen – als Aushilfen oder langfristig. So lernt man sich kennen und vernetzt sich.

„Wir haben einen engen Draht zu den Einrichtungen“, sagt Jeannine Böttcher. „Die teilen uns dann auch mit, wenn freie Plätze zu vermitteln sind.“ Eine Hand wäscht die andere. Gleichzeitig hält sich die Agentur über Neueröffnungen auf dem Laufenden. „Wenn wir einen Platz empfehlen, dann ist es mit der Einrichtung ausgemacht, dass unser Kunde den bekommt.“ Fünf Kita-Plätze wurden heuer bislang von der Firma vermittelt. Sie ist nicht nur auf Kinder- sondern auch auf Seniorenbetreuung spezialisiert. Manche Eltern, die sich an Starfamily wenden, haben vorher selbst zig Einrichtungen abgeklappert. 1050 Euro plus Mehrwertsteuer – für sie ist das eine Investition, die ihr Zeitbudget und vor allem ihre Nerven schont.

Julia Lenders

 

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