München John Demjanjuk: Schon ein Jahr liegt liegt er vor Gericht im Bett

John Demjanjuk: im Krankenbett in den Gerichtssaal Foto: Torsten Huber

MÜNCHEN - Der Angeklagte im Rollstuhl, John Demjanjuk im Bett vor seinen Richtern. Der Prozess gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher dauert nun bereits ein Jahr. Der 90-Jährige ist angeblich schwer erkrankt - eine AZ-Analyse.

 

Es ist einer der umfangreichsten Prozesse gegen einen mutmaßlichen Kriegsverbrecher: John Demjanjuk(90) steht jetzt bereits ein Jahr vor dem Landgericht München II. Das Verfahren ist bis März 2011 terminiert. Ihm wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Er soll im Zweiten Weltkrieg bei der Vergasung von 27.900 jüdischen Häftlingen im KZ-Sobibor (Polen) geholfen haben. Die AZ dokumentiert den Fall:

Der Prozess

Er findet im Münchner Schwurgerichtssaal statt. Der Angeklagte liegt im Bett. Den Kopf auf einem Kissen, zugedeckt und ein Baseball-Kappi auf dem Kopf. Das Deckenlicht blendet ihn. Niemand weiß, ob er schläft oder den Prozess verfolgt. Demjanjuk sagt: „Ich bin unschuldig.“

Der Vorwurf

Demjanjuk gerät in Kriegsgefangenschaft und kommt in ein SS-Lager im polnischen Trawniki. Er wird mit anderen ukrainischen Häftlingen zum KZ-Hilfswächter ausgebildet, den „Trawniki-Männern“. Im 27.März 1943 kommt er ins Vernichtungslager Sobibor. Laut Anklage soll er dort geholfen haben jüdische Kinder, Frauen und Männer in die Gaskammern zu treiben.

Erste Anklage

1987 beginnt der erste Prozess gegen Demjanjuk in Israel. Am 25. April 1988 wird er zum Tode verurteilt. Der Angeklagte legt Berufung ein. Neue Fakten tauchen auf: Demjanjuk sei nicht „Iwan der Schreckliche“. Dies sei ein gewisser Iwan Martschenko. 1993 kommt Demjanjuk wieder frei. Demjanjuk kehrt in die USA zurück.

Zweite Anklage

2009 nimmt die Münchner Staatsanwaltschaft Kontakt zu den USA auf. Der Fall wird neu aufrollt. Das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) hat neue Beweise. Im Mai 2009 liefern die USA Demjanjuk nach München aus. Er sitzt in der JVA-Stadelheim.

Der Hauptbeweis

Der „SS Dienstausweis Nr.1393“ mit einem Foto von John Demjanuk. Das LKA hat die Echtheit bestätigt. Demnach war der Angeklagte KZ-Wächter in Sobibor.

Die Zweifel

Anwalt Günther Maull sagt: „Dieser Ausweis wurde von General Rudenko den Israelis zugespielt. Rudenko war in den Tagen des Kalten Krieges beim KGB. Rudenko hat nur mit Täuschungen und Fälschungen gearbeitet. Deshalb haben selbst die Israelis den Ausweis nicht anerkannt.“

Seine Krankheit

Angeblich ist Demjanjuk schwer krank – Krebs und ein Rückenleiden. Tobias Pretsch, Abteilungsleiter in der JVA-Stadelheim: „Es gibt Gefangene, denen geht es wesentlich schlechter. Ich sehe ihn manchmal langsam mit einer Gehhilfe gehen. Er hat gute und schlechte Phasen.“

th

 

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