München Hochauflösende Bilder: Zoom mal, wer da liegt!

Ein Transparent mit der Aufschrift „Hier regiert der FC Bayern", klebte am Friedensengel. Foto: Martha Schlüter

MÜNCHEN - Großformatige Panorama-Bilder sind der neue Trend in der Digitalfotografie. Selbst Details wie Gesichter zeigen sie in höchster Qualität. Die Technik fasziniert Hobbyknipser – und Voyeure.

 

Ein Sommertag an der Isar. Kinder plantschen im Wasser. Menschen liegen auf Badetüchern, genießen die Sonne. Ein Mann streichelt das Bein seiner Begleiterin. Es sind intime Momente – und obwohl sie in der Öffentlichkeit stattfinden, wohl kaum für die Augen aller bestimmt. Tatsächlich kann sich jeder diese Szenen ganz einfach anschauen: Auf einem gigantischen Foto, für jedermann einsehbar im Internet.

Panorama-Fotografie heißt der neue Trend, der Profis und ambitionierte Hobby-Knipser gleichermaßen fasziniert. Dabei handelt es sich um gigantische Landschaftsaufnahmen mit einer gewaltigen Datenmenge von bis zu 20 Milliarden Pixeln.

Zum Vergleich: Eine hochwertige digitale Spiegelreflexkamera macht Fotos, die es „nur“ auf rund 10 Millionen Pixel bringen. Auch die Panoramen werden mit normalen Fotokameras erstellt. Nur bestehen Großformate aus hunderten Einzelfotos, die wie bei einem Puzzle zu einem Ganzen zusammengefügt werden – und dadurch mitunter sehr tief blicken lassen.

Auf Internetseiten wie gigapan.org präsentieren Fotografen Panorama-Bilder aus aller Welt. Auch Münchner Stadtansichten im Mega-Format sind dort zu sehen. Faszinierende Bilder von den Menschenmassen auf dem Oktoberfest, vom Olympiapark, dem Münchner Flughafen. Oder eben dem sommerlichen Flaucher.

Der Clou an den spektakulären Bilder ist jedoch nicht allein ihr riesiges Format. Gerade wegen ihrer enormen Größe können einzelne Details extrem herangezoomt werden – selbst bei zwanzigfacher Vergrößerung lassen sich noch Gesichter, Autokennzeichen oder etwa Straßennamen messerscharf und ohne Qualitätsverlust erkennen. Auch die heimlich am Flaucher ausgetauschten Zärtlichkeiten werden hochauflösend vom digitalen Adlerauge erfasst. Der faszinierte Betrachter ist somit automatisch – ob er will oder nicht – immer auch Voyeur.

„Ich fotografiere Landschaften, Menschen sind da nur ein kleiner Teil“, meint hingegen Traugott Emrich, der das Bild von der Isar erstellt und auf die Plattform gigapan.org hochgeladen hat. Viele Stunden hat er vor dem Rechner verbracht, sein Hobby erfordert viel Geduld, Liebe zum Detail und leistungsstarke Rechner, die riesige Datenmengen verarbeiten können. Sogar einen Roboter, der selbstständig hunderte Einzelfotos einer Landschaft aufnimmt, hat Emrich entwickelt.

Dass die Panoramabilder Debatten über die Grenzen zwischen Kunst und Voyeurismus, Privatheit und Überwachung provozieren, sind ihm und der Szene wohl bewusst. Emrich sagt: „Ich hätte kein Problem damit, die Menschen auf den Bildern zu pixeln. Aber bislang hat sich auch noch niemand beschwert.“

Juristisch betrachtet, liegen die Panoramas in einer Grauzone. Zwar regelt das Kunsturhebergesetz in Paragraph 22, dass Bildnisse von Personen nur mit deren Einwilligung verbreitet werden dürfen. Doch es gibt Ausnahmen – und auf die berufen sich die Panorama-Fans. Laut Paragraph 23 ist nämlich keine Einwilligung nötig, wenn Personen „Beiwerk“ einer Landschaft sind. Doch sind sie das wirklich, wenn mit wenigen Mausklicks aus einem Landschaftsfotos ein gestochen scharfes Porträt wird? „Bislang gibt es hierzu noch keine Rechtsprechung“, sagt Medienanwalt Reinhard Gärtner.

Wie sensibel Datenschützer auf dieses Thema reagieren, musste Google mit seinem Dienst Street View erfahren, der ebenfalls 360 Grad-Panoramabilder online zeigen wollte. Im Gegensatz zu den Amateur-Fotografen ist Google nicht nur an Sehenswürdigkeiten, sondern auch an Nachbars Gartenzaun – und dem was dahinter liegt – interessiert. Google macht in den Bildern auftauchende Menschen zwar unkenntlich – was den Druck von Seiten der Datenschützern nicht verringerte. Street View ist daher in Deutschland noch immer nicht verfügbar.

Der Hype um Panoramafotos wächst derweil weiter. Erst Ende Juli erstellten Fotografen eine 360-Grad-Ansicht der Stadt Budapest. Bestehend aus 2346 Einzelbildern ist es das derzeit größte Digitalbild der Welt. Reinhard Keck

Allein unter 69.000 Fans

Zur neuen Saison gibt es Panorama-Fotos aus der Arena – und jeder kann jeden herauszommen

Abtauchen in der Masse von 69.000 Fans in der Allianz Arena? Das wird ab der kommenden Bundesliga-Saison bei Heimspielen des FC Bayern äußerst schwierig werden. Denn der Panorama-Foto Anbieter tiefenpixel.de will zum Start der neuen Saison am 20. August mit einem neuen Service die Bayern-Fans begeistern: Hochauflösende Stadionfotos, in die man so tief hineinzoomen kann, bis man sich selbst unter tausenden Zuschauern erkennen kann.

Der gewählt Ausschnitt kann als riesiges Poster im Internet unter fan-block-foto.com bestellt werden. Das Andenken im Mega-Format soll es ab neun Euro für ein Miniposter geben. Auch metergroße Leinwände können bedruckt werden, die allerdings mehr als 100 Euro kosten sollen.Der Münchner Start-Up-Unternehmer Leopold Holusek hatte den FC Bayern und auch dessen Präsident Uli Hoeneß mit seiner Geschäftsidee begeistern können: „Er findet das sehr spannend und einen guten Service für die Fans“, sagt der Geschäftsführer von tiefenpixel.de

rke

 

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