München heißt Flüchtlinge willkommen "Weltstadt mit Herz" - München zeigt wie's geht

Tausende Flüchtlinge haben am Dienstag mit Zügen aus Ungarn den Münchner Hauptbahnhof erreicht. Foto: dpa

"Weltstadt mit Herz" - das war viele Jahre lang der Slogan der bayerischen Landeshauptstadt. Nach der Welle der Hilfsbereitschaft für tausende Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof fällt dieser Satz nun immer wieder. Jemand anderes spricht von "Glanzlicht-Deutschland"

 

München - Es sind Bilder, die um die Welt gehen: Berge von Lebensmitteln, Wasserflaschen, Windeln und Hygieneartikeln, die sich vor dem Münchner Hauptbahnhof türmen. Kisten mit Stofftieren für Kinder aus Syrien oder Afghanistan, die nach einer langen Flucht per Zug endlich hier in München angekommen sind. Ein Polizist, der einem Flüchtlingskind seine Mütze aufsetzt. Die Züge mit tausenden Flüchtlingen, sie haben am Montag und Dienstag eine Welle der Hilfsbereitschaft in der bayerischen Landeshauptstadt ausgelöst. Er sei ausgesprochen stolz, sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD).

Es waren Hunderte Spender, die am Dienstag Lebensmittel, Kleidung, Zahnbürsten, Windeln und andere Geschenke zum Hauptbahnhof brachten. Und nicht nur das: Zahllose freiwillige Helfer verteilten sie zusammen mit Beamten und Hilfsorganisationen an die Flüchtlinge. "Wir finden das super!!!", twitterte die Polizei - bis es dann sogar zu viel wurde: So groß waren die Berge an Spenden, dass die Polizei schließlich über den Kurznachrichtendienst mitteilen musste: "Bitten euch aktuell keine Sachen mehr zu bringen." Die Spenden reichten aus.

Auf Facebook und Twitter wird München seither gefeiert. "Es gibt viele Gründe, München zu lieben. Gestern ist ein weiterer dazu gekommen", lautete am Dienstag eine von vielen Kurznachrichten. Und auch die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, jubelt, sie sei zutiefst beeindruckt und bewegt und "überwältigt von dem herausragenden Einsatz der Münchnerinnen und Münchner". "Die Welt sieht jetzt auf wunderbare Weise, was "Weltstadt mit Herz" bedeutet", betont sie. "Gestern haben wir auf beeindruckende Weise erlebt, dass wir nicht nur in einem neuen Jahrtausend leben, sondern in einem anderen Land. Einem Land der Menschlichkeit, des Verantwortungsbewusstseins und der Zivilcourage. Ein Land, auf das wir stolz sein dürfen und sollten!" Knobloch erfindet sogar ein neues Wort: "Glanzlicht-Deutschland".

Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass München in derlei Dingen positiv von sich reden macht: Kundgebungen des bayerischen Pegida-Ablegers stellte sich im vergangenen Jahr stets ein Vielfaches an Gegendemonstranten entgegen. Und Anfang Februar bildeten 15 000 Menschen eine Lichterkette durch die ganze Innenstadt - als Zeichen für Toleranz und gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

Am Dienstag übertrumpfte die Münchner Bevölkerung mit ihrem Engagement jedenfalls alle anderen Nachrichten, die in Sachen Flüchtlingspolitik aus dem Freistaat kamen: etwa Innenminister Joachim Herrmann (CSU), dem vor laufenden Fernsehkameras das Wort "Neger" über die Lippen kam. Und während ehrenamtliche Helfer in München Stofftiere an Kinder verteilten, eröffnete Sozialministerin Emilia Müller (CSU) in Manching bei Ingolstadt das bundesweit erste Aufnahmezentrum speziell für Balkan-Flüchtlinge. Und macht dem Vater zweier Kinder, die die ganze Szenerie mitansehen, vor laufenden Kameras lapidar klar: "Sie wissen aber, dass Sie zurück müssen." Um die Welt gingen am Dienstag aber vor allem die Bilder aus München

 

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