München Handybenutzung in der U-Bahn: Unterhaltung, unterirdische!

Bisher sind laut MVG 32 Bahnhöfe und etwa 27,5 Kilometer Tunnelstrecke mit Handy-Empfang versorgt Foto: Daniel von Loeper

MÜNCHEN - Mehr Sicherheit, mehr Komfort oder nur mehr Gequassel? Was Polizei, MVG und der Fahrgäste-Verband zur Handybenutzung in den U-Bahnen sagen, die es in München seit gut einem Jahr gibt und die jetzt auf der U1 ausgeweitet wurde

 

Telefonieren in der U-Bahn? Das wird bis Ende 2011 überall im MVG-Netz möglich sein. So zumindest ist der Plan. Jetzt kam der Abschnitt zwischen Stiglmaierplatz und Olympia-Einkaufszentrum dazu – bisher sind laut MVG 32 Bahnhöfe und etwa 27,5 Kilometer Tunnelstrecke mit Handy-Empfang versorgt. Die letzten Außenabschnitte sollen im kommenden Jahr folgen.

Doch was hat der Handy-Empfang im Untergrund den Münchnern eigentlich gebracht? „Enorm viel“, sagt Andreas Nagel von der Aktion Münchner Fahrgäste, und spielt vor allem auf die Sicherheit in den U-Bahnhöfen an. „Dort gibt es zwar Notrufeinrichtungen“, sagt Nagel, „aber die sind schwer zu finden.“ Zudem rückt derjenige, der einen Notruf absetze, in den Fokus, erklärt Nagel. Denn das Notruftelefon, das den Anruf per Knopfdruck in die MVG-Zentrale weiterleitet, tutet laut. Wer sich in der Nähe aufhält, bekommt das mit. Anders mit dem Handy. Nagels Tipp: „Wenn man eine Schlägerei beobachtet, ist es besser, man löst den stillen Alarm übers Mobiltelefon aus und hält sich im Hintergrund.“

Auch die Münchner Polizei macht sich für den Handy-Empfang in der U-Bahn stark. Zwar gebe es keine Statistik darüber, wie viele Notrufe von dort mit dem Mobiltelefon abgesetzt wurden, räumt eine Polizeisprecherin ein. Sie sagt jedoch auch: Allein die Möglichkeit, mit den Handy die 110 wählen zu können, wenn keine U-Bahnwache in der Nähe ist, erhöhe die Sicherheit. Vergleicht man die Zahl der Gewaltdelikte im U-Bahnbereich von Januar bis September 2010 mit der Zahl der Delikte im Vorjahr, könne man von einem „Rückgang“ sprechen. Ein Faktum, das sich so oder so interpretieren lässt.

Auch die MVG spricht davon, dass das „subjektive Sicherheitsgefühl“ der Fahrgäste gestärkt wurde. Zumal wesentlich mehr Menschen ein Handy besäßen als früher. Das kann Ralf Baumeister, Co-Chef von „Mobil in Deutschland“, bestätigen: „Wir haben mittlerweile 110 Millionen Handys in Deutschland. Jeder Deutsche besitzt im Schnitt eineinhalb Mobiltelefone.“

ah

Handyempfang in der U-Bahn - praktisch oder nervig? Was meinen Sie, liebe Leserinnen und Leser? Eine Auswahl der besten Kommentare veröffentlichen wir in der Mittwochsausgabe der AZ

 

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