München Grüne OB-Kandidatin: "Bin das beste Angebot"

Sabine Nallinger (47) will OB-Kandidatin der Münchner Grünen werden. Foto: Daniel von Loeper

Nach Ostern suchen die Münchner Grünen ihren OB-Kandidaten: Sabine Nallinger fordert den Platzhirschen Hep Monatzeder heraus.

 

AZ: Frau Nallinger, warum wollen Sie unbedingt OB-Kandidatin werden?

SABINE NALLINGER: Ich bin jetzt knapp vier Jahre im Stadtrat und habe in dieser Zeit richtig viel geschafft. Das gelingt mir, weil ich als Stadtplanerin die Sachkompetenz mitbringe und weil ich den Menschen auf Augenhöhe begegne. Ich höre zu und lerne, wo der Schuh drückt und ich moderiere. Das höchste Amt der Stadt muss von jemandem ausgeübt werden, der sachlich und menschlich kompetent ist, der Bürgernähe nicht nur behauptet, sondern auch praktiziert. Und ganz entscheidend: Der die Energie und das Knowhow hat, Ziele zu realisieren. Dafür bin ich das beste Angebot! Die Grünen haben – bei allen Erfolgen – nicht genug herausgeholt. Das will ich ändern.

Wenn das Ihr Konkurrent Hep Monatzeder hört.

Hep muss aus der Unzufriedenheit der Basis eigene Schlüsse ziehen. Ich kann nur sagen, wofür ich stehe: Für intensiven Dialog mit der Basis, für Moderation, Transparenz und Gestaltungswillen.

Sehr selbstbewusst für eine „Neue“, die erst seit 2008 im Stadtrat ist.

Die Ära Ude geht zu Ende. Eine historische Chance, sich von der Rolle des Wasserträger zu verabschieden. Wir Grüne haben die Zukunftskonzepte. Wir müssen nun gestalten und wieder zum Motor der Stadtpolitik werden! Die Grünen müssen jetzt mit einem neuen Anspruch an die Wahl gehen. Ich glaube, dass ich diesen eher verkörpere als Personen, die mit der Ära Ude verbunden werden.

Sagen Sie den Namen Hep Monatzeder jetzt nicht mehr?

Es ist ja nicht nur der Hep bei den Grünen. Es ist auch der Fraktionschef Sigi Benker, der sich selbst offen für einen Generationenwechsel ausspricht. Die Wahl 2014 ist eine Zäsur für München.

Noch einmal zu Monatzeder. Was unterscheidet Sie beide?

Ich kann andere für Themen begeistern. Ich suche die Kommunikation – auch mit der Basis. Das haben unsere Mitglieder lange vermisst. Wir müssen es schaffen, frischen Wind reinzubringen. Frische Ideen. Frischen Stil. Dafür stehe ich. Es gibt ein großes Potenzial an Wählern, die unsere Ideen gut finden. Das wird noch nicht genutzt. Ich habe Lust, das zu ändern. Da unterscheiden wir uns.

Hat Ihr Verhältnis gelitten, seit Sie Konkurrenten sind?

Nein, das sehen wir sportlich.

Was würde eine Frau als OB anders machen?

In herausgehobenen Positionen geht es auch darum, andere Menschen einzubinden. Und das ist eine weibliche Stärke. München wird seit über 200 Jahren von Männern regiert. Eine weibliche Komponente würde der Stadt gut tun. Leider schrecken auch heute noch viele zurück und denken: Eine Frau und so ein Job? Ich spüre da natürlich viel Skepsis, aber auch starken Rückenwind. Als Frau hat man es immer noch schwerer, sich durchzusetzen.

Ist auch die Stadtpolitik eine Männerwelt?

Auf jeden Fall, schauen Sie die Führungsköpfe im Stadtrat an. Die CSU hat ihren Seppi Schmid, die SPD ihren Alexander Reissl. Auch bei uns Grünen ist Sigi Benker viel bekannter als Lydia Dietrich. Dann haben wir einen OB und einen dritten Bürgermeister. Das sagt doch alles oder?

Warum ist das so?

Männer sind geübter in Seilschaften. Frauen wird erstmal weniger zugetraut. Sie investieren daher oft viel Energie in Selbstbehauptung.

Sie könnten bei der Wahl 2014 die einzige OB-Kandidatin sein – fürchten Sie den Stempel „Quotenfrau“?

Ich sehe mich nicht als Quotenfrau. Ich stehe bei den Grünen für Aufbruch. Nicht für eine ewig lange Parteikader-Karriere und Machterhalt. Ich bin eine Seiteneinsteigerin, die verschiedene Lebenswelten mitbekommen hat. Ich bin berufstätig, und ich habe zwei Töchter. Das ist in der Politik erfrischend.

Treibt auch die Angst vor den Piraten-Partei zum Aufbruch?

Angst nicht, aber wir müssen deren Erfolg als Ansporn sehen. Als Hinweis, dass sich was ändern muss. Die Grünen sind ein Stück konventionell geworden. Wir haben es den Piraten damit leicht gemacht. Wir müssen mehr Transparenz schaffen und mutig für unsere Ideen und Zukunftsentwürfe voran gehen. Die Menschen haben zu Recht keinen Bock mehr auf strategische Spielchen.

Sind die Piraten der Beweis, dass die Grünen zu sehr zum Establishment gehören?

Eindeutig. Nehmen Sie Heps Dauer-Argument: Ich bin der Bekannteste und der Beliebteste. Ja freilich ist ein Amtsträger bekannter! Nach dieser Argumentation wäre der Stillstand plötzlich ein Zukunftskonzept. Und Piraten gäbe es dann auch nicht.

Politik, Job, Kinder – wie kriegt man das alles hin? Nur mit schlechtem Gewissen?

[/INTERV_FRAGE]Man muss sehr strukturiert sein, organisiert. Unser Alltag ist durchgetaktet. Und man muss ganz klare Worte sprechen. Wenn die Kinder mich vor der Stadtversammlung fragen, wann ich heimkomme, sage ich ganz offen: Ich weiß es nicht, ich will euch nicht anlügen. Man braucht klare Spielregeln. Eine Regel, die ich eingeführt habe, ist: Zwei Abende in der Woche bin ich zuhause, das ziehe ich durch. Auch wenn OB Ude meint: ,Das schaffen Sie nie!'

Bekommt man wenigstens als Stadträtin einen Betreuungsplatz für die Kinder?

Das nutze ich nicht aus. Für meine Kleinste habe ich zuletzt keinen Hortplatz bekommen. Ich kenne die Sorgen der Krippen- und Kindergartensucher. Eine Riesenbaustelle, die wir angehen müssen!

Unterstützt Ihr Mann Sie?

Wir machen halbe-halbe. Er arbeitet ja auch. Interessant finde ich, dass ein Seppi Schmid nach solchen Themen nie gefragt wird. Klar: Der hat eine Frau, die Teilzeit arbeitet. Bei mir schaut niemand, ob ich was zum Essen bekomme. Ich bin immer für mich selbst verantwortlich.

Die Belastung wird nicht weniger, wenn Sie OB-Kandidatin werden.

Das stimmt. Es ist schon schwierig Familie, Beruf und Politik unter einen Hut zu bringen. Das gilt nebenbei auch für Männer, sofern sie ihre Rolle in der Familie ernst nehmen.

Warum wollen Sie sich den Stress einer OB-Kandidatur antun?

Ich bin eine Person mit viel Kraft, Ausdauer und Visionen. Wenn nicht mal ich es schaffe, das alles unter einen Hut zu kriegen, von wem werden wir denn dann regiert?

Sabine Nallinger - Die Studentin aus dem VW-Bus

Als die Stuttgarterin 1984 nach München kam, erlebte sie als Studentin die Schattenseite der Glanzmetropole: Sie lebte mangels Wohnung die erste Zeit in einem VW-Bus. Sie studierte Wirtschafts- und Sozialgeographie, sowie Architektur und Raumplanung, arbeitete bei Ingenieurbüros und zwei Jahre bei der Stadt und ist heute in der Stabsstelle Strategie der MVG. Die 47-Jährige hat zwei Töchter (11 und 14) und lebt mit einem Physiker zusammen.


Wo möchten Sie am liebsten leben?

Da wo ich wohne: In Sendling in einem Passivhaus.

Wem oder was können Sie nicht widerstehen?

Herausforderungen!

Was möchten Sie einmal tun?

München als erste Oberbürgermeisterin zur grünsten Metropole machen!

Welches Talent möchten Sie besitzen?

Immunität gegen politische Routine.

Eine Stärke von Ihnen?

Menschen mit Visionen begeistern.

Ihr Lebensmotto?


Geht nicht, gibt's nicht!

Ihr Lieblingsbuch?

David Benioff: „Stadt der Diebe.“ Ein hochspannendes, empathisches und dennoch witziges Zeitdokument der jüngeren Geschichte – unter fataler Beteiligung der Deutschen (Belagerung Leningrads).

Wen möchten Sie einmal treffen?

Margot Käßmann

Wer oder was nervt Sie am meisten?

Trägheit und Selbstgefälligkeit

Ihre Lieblingsband?

„Ganes“, die musikalischsten Frontfrauen zwischen hier und den Dolomiten.

Waren Sie schon mal auf Udes Urlaubsinsel Mykonos?

Ja. Und auch schon am Wolfgangsee – wie Helmut Kohl oder in Castelgandolfo – wie die Päpste . . .

Gestehen Sie eine Jugendsünde!

Ich habe vor 30 Jahren für die kostenlose Nutzung des ÖPNV demonstriert – und heute arbeite ich für die MVG.

 

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