München Großbrand in Grünwald: Flammendes Inferno

Löscharbeiten in Grünwald Foto: Mike Schmalz

MÜNCHEN - Großbrand in Grünwalder Ladenzentrum: 185 Feuerwehrleute bekämpfen stundenlang die Flammen. Sechs Läden und eine Wohnung sind komplett zerstört – Verletzt wird niemand.

 

Noch bevor der Rauch durch die Ritzen der Wohnung eindringen kann, weckt gegen 4 Uhr früh ein lauter Knall den Hausmeister. Wenig später lodern die Flammen aus dem Sportgeschäft an der Grünwalder Schloßstraße. Der Mann ruft sofort die Feuerwehr und bringt sich, seine Familie und die Freunde, die gerade bei ihm zu Besuch sind, in Sicherheit – wenig später steht auch seine Wohnung in Flammen.

Es ist ein gewaltiger Brand, der am frühen Freitagmorgen in dem Lagerkomplex im Zentrum von Grünwald ausgebrochen ist. Die Löschmannschaft: 185 freiwillige Feuerwehrleute und 50 Polizisten. 13 Personen müssen das Gebäude verlassen – die Hausmeisterfamilie und sechs Angestellte einer Wirtschaft. Verletzt wird niemand. Der Schaden geht in die Millionen.

„Unsere Buchhandlung ist komplett ersoffen“, erzählt Peter Horn (79). Seine Tochter Silvia (48) kommt gerade mit einem dicken Aktenordner aus dem Gebäude – ein Feuerwehrmann in schwerem Feuerschutzzeug begleitet sie: Drei Computer und vier Aktenordner konnte sie aus ihrem Laden retten. Bücher im Wert von 100000 Euro – die Ladung Kinderbücher für die Osterferien – vom Löschwasser ertränkt. „Ich hab grad’ keine Ahnung, wie’s weiter geht“ – der Schock steht Silvia Horn ins Gesicht geschrieben. „Aber wir werden einen Weg finden, weiter Bücher zu verkaufen. Wenn es sein muss, stell’ ich mich an den Brunnen da drüben.“

Was sie genau im Inneren erwartet, wissen viele Ladenbesitzer noch nicht. Von Löschwasser und Rußschäden sind sechs Geschäfte und eine Zahnarztpraxis betroffen. Unterdessen kursieren die ersten Gerüchte unter den Anwohnern. Von Brandstiftung ist die Rede. Die Brandfahnder der Kripo ermitteln. Fest steht jetzt aber nur, dass das Feuer in dem Sportgeschäft ausgebrochen ist.

Kreisbrandrat Josef Vielhuber geht davon aus, dass ein Schwelbrand schon länger in dem Laden im ersten Stock kursierte. Der Knall, der den Hausmeister aufschrecken lies, könnte von einer in der Hitze geborstenen Fensterscheibe stammen. Durch den einströmenden Sauerstoff sei das Feuer dann gänzlich ausgebrochen. Ob es sich dabei allerdings wirklich um Brandstiftung handelt, werden die Ermittlungen zeigen.

Auch Stunden nach dem Feuer liegt schwerer Brandgeruch in der Luft. Feuerwehrler mit Gasmasken, Kettensägen und Äxten sind in den verkohlten Gebäuden unterwegs. Alle Glutnester müssen „aufgespürt und abgelöscht werden“, so Vielhuber. Immer wieder ein Schwall von Rauch, wenn ein freigelegter Brandherd sich neu entfacht.

Vor 27 Jahren eröffnete Giuseppe Cardia (58) als erster Geschäftsmann hier seinen Feinkostladen. In seinen Kühlräumen schmelzen derzeit italienische Spezialitäten im Wert von 15000 Euro. „Ware kann man wieder bestellen“, meint Cardia. „Wichtig ist nur, dass niemand verletzt ist.“

Johanna Jauernig

 

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