München Fall Poschinger: Der Todeskampf dauerte eine Stunde

Dirk von Poschinger-Camphausen (†35) Foto: Polizei

13 Schüsse treffen den Manager, der laut Obduktion verblutete: Kein Schuss war sofort tödlich. Eine Stunde dauerte der Todeskampf des Managers Dirk von Poschinger-Camphausen (†35).

 

MÜNCHEN Ruhig sitzt Witwe Daniela von Poschinger-Camphausen (36) im Münchner Schwurgerichtssaal 101, als Rechtsmediziner Randolph Penning (56) den Todeskampf ihres ermordeten Ehemannes schildert: „13 Schüsse dürften den Körper getroffen haben.“

Kein Schuss war sofort tödlich. Eine Stunde dauerte der Todeskampf des Managers Dirk von Poschinger-Camphausen (†35). Dies konnte Penning feststellen, weil er viel Blut im Magen und Dünndarm des Opfers gefunden hat. Demnach muss der Manager jede Menge Blut geschluckt haben – bis der Tod eintrat. Penning: „Kein Schuss war tödlich.“

Der mutmaßliche Mörder Rainer H. (41) soll ihn laut Anklage am 14. Januar 2010 in seiner Garage erschossen, in Leichensäcke verpackt und anschließend in seinen VW-Transporter geladen haben. Das Motiv: Habgier. Der ehemalige Hausmeister wollte angeblich in den Besitz des Audi A8 (Wert: 50000 Euro) vom Mordopfer. Rainer H. bestreitet die Tat (AZ berichtete).

Dirk von Poschinger-Camphausen lag zwei Tage nach seiner Ermordung auf dem Sektionstisch in der Münchner Rechtsmedizin. Der Manager war 1,81 groß und wog 86 Kilo. „Die Kleidung war blutdurchtränkt. Die kräftige, federnde Leichenstarre war leicht zu brechen“, sagt Penning. Der Mageninhalt verriet, dass von Poschinger-Camphausen zum Frühstück nur Kaffee getrunken hat. Der erste Schuss traf den Kopf. „Die Kugel ist an der Stirn vorne rechts eingedrungen. Sie wurde in der linken Oberohrregion gefunden. Sie hat den Schädel nicht mehr verlassen“, erklärt Penning.

Die Witwe, die mit einer dicken weißen Strickjacke im Gerichtssaal sitzt, verfolgt die Ausführungen des Mediziners gefasst. Hin und wieder macht sie sich Notizen.

Mehre Projektile drangen in Arme und Oberkörper ein. Abgefeuert aus einer halbautomatischen Selbstladepistole Ruger (Kaliber 22). Ein ganzes Magazin mit zehn Schuss hat der Täter auf sein Opfer, das er zuvor mit Handschellen hinterm Rücken gefesselt hatte, abgefeuert. Dann hat er nachgeladen und mindestens drei weitere Schüsse abgegeben. Es ist unvorstellbar, dass von Poschinger-Camphausen nicht sofort tot war. „Das Herz war völlig unverletzt“, sagt Penning.

Heute sollen weitere Gutachter gehört werden. Torsten Huber

 

0 Kommentare