München Ein Leben wie ein poppiges Poster

Mit Schirm, Scham und Melone: Mit solchen Motiven begann die „Posterrevolution“ in der Galerie Roucka. Foto: az

SCHWABING - Der Münchner Fotograf Wolfgang Roucka, auch „Posterkönig von Schwabing“ genannt, hat ein bewegtes Leben. Jetzt hat ihm der BR einen Film gewidmet, in dem der zugereiste Schwabinger seine besten Anekdoten erzählt.

Schon als Zehnjähriger überquerte er heimlich den eisernen Vorhang. Er ritt auf Schweinen und entkam in den 60er Jahren dem Zorn Frank Zappas: Wolfgang Roucka, auch bekannt als der „Posterkönig von Schwabing“, hat ein bewegtes Leben: So bewegt, dass ihm das Bayerische Fernsehen am Montag, den 7. April, eine Ausgabe seiner Sendung „Lebenslinien“ (um 20.15 Uhr) widmet.

Einen Film über das Leben eines zugereisten Schwabingers, das mit einem deutschdeutschen Abenteuer beginnt. Als kleiner Bub noch wollte Roucka seine Großeltern besuchen. Dumm nur, dass die in der damaligen DDR bei Magdeburg wohnten: Der kleine Wolfgang überquerte also mit seinem Onkel und mit Hilfe der Amerikaner, die ihnen die Ablösungszeiten der Wachen verrieten, heimlich die innerdeutsche Grenze.

Schweinshaxn und Humpen voller Bier

Mehr noch, letztlich blieb er ein Jahr und ging dort sogar in die Schule – als Illegaler, aber mit Billigung des Direktors. „Das war das Paradies für mich damals“, sagt der 67-Jährige rückblickend, „schweinisch wohl“ fühlte er sich damals, wie das Foto rechts oben belegt.

Später fing er dann in München als Fotograf und Galerist an, am 1. April 1966 machte die Galerie Roucka in der Schwabinger Feilitzschstraße auf. Zwei Jahre später, im berühmten Jahr 1968, fing er damit an, Poster zu verkaufen. Er erzählt stolz davon, dass er die „Poster-Bewegung in Deutschland aktiviert“ hat.

Damals wie heute verkauft er Motive von Ikonen wie Che Guevara und Lenin – und natürlich auch das berühmte Poster von Frank Zappa, der auf dem Klo sitzt. Apropros Zappa: Die Bandkollegen des Musikers haben auch mal bei ihm in der Galerie vorbeigeschaut, Ende der 60er war das. Für Unterhaltung war gesorgt, denn Erich Weber, der Wirt von der „Haxnstube“ nebenan, sorgte für Speis und Trank: Schweinshaxn und Humpen voller Bier. „Die haben sich gegenseitig unter den Tisch gesoffen“, erzählt Wolfgang Roucka lachend. Und Zappa selbst? Der versuchte von Amerika aus vergeblich, seine Bandkollegen per Telefon im Hotel zu erreichen!

Ein bewegtes Leben

Als Roucka den Musiker dann am nächsten Tag vom Flughafen abholte, erzählte er ihm lieber nichts von dem nächtlichen Saufgelage. . . Ein bewegtes Leben, in dem es aber eine sehr wichtige Konstante gibt: Die Telefonnummer der Galerie Roucka ist seit 42 Jahren die selbe geblieben.

Am Montag um 19 Uhr wird im Café Münchner Freiheit gefeiert: Bilder des Seerosenkreis’ sind zu sehen,Musik gibt’s auch und um 20.15 Uhr werden die Lebenslinien angeschaut – dazu hat Wolfgang Roucka bestimmt noch ein paar Geschichten auf Lager.

Philipp Daum

 

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