München Drei Brüder: Lebenslang für Rache-Mord an Schwager

Die Angeklagten: Senol Ü. (51, l.) versteckt hinter einer Zeitung. Bruder Turan Ü. (53) im Anorak hinter Anwalt Florian Ufer. Osman Ü. (61) verdeckt. Foto: Torsten Huber

MÜNCHEN - Ehrenmord vor 23 Jahren für die Schwester: Sie hatte sich erhängt, weil ihr Mann fremd ging. Jetzt bekommen ihre türkischen Brüder lebenslang für den Mord an ihrem Schwager.

 

Nach 23 Jahren kann die Mord-Akte Cavus Ü. (26,†) vorerst geschlossen werden. Das Münchner Schwurgericht verurteilte die Brüder Osman (61),Turan (53) und Senol Ü. (51) wegen gemeinschaftlichen Mordes zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe.

„Sie wussten, dass die Schwester die Entscheidung zum Selbstmord selbst getroffen hatte“, betonte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl. Dennoch haben die Angeklagten nach Ansicht des Gerichts den Mord an ihrem Schwager geplant. Motiv: Ehrenmord. Schwager Cavus Ü. hatte eine Freundin. Die Schwester der drei Angeklagten erhängte sich deshalb im Badezimmer.

Rückblick: Am 15. Dezember 1996 lockten die drei Brüder ihren Schwager in die Wohnung von Turan. Er sollte in der Küche einen Wasserhahn reparieren. „Man hatte in der Wohnung zunächst Platz genommen, unterhielt sich. Es war eine entspannte Situation“, so Richter Götzl. Als Cavus Ü. sich an die Arbeit machte und bückte, schlug Osman Ü. mit einer Eisenstange zu. Sie zogen ihm eine Plastiktüte über den Kopf, klebten sie zu und drosselten ihn mit einer Schnurr. Die Leiche brachten sie mit dem PKW des Getöteten in den Deisenhofener Forst von Taufkirchen.

Für die Wende im Prozess sorgten die Ehefrauen

Im Mai 2009 konnten die Täter mit modernster DNA-Analyse überführt werden. Am Tatwerkzeug, das jahrelang in der Asservatenkammer lag, fand sich ein genetischer Fingerabdruck von Osman Ü. Den hatte man überprüft, nachdem gegen Osman Ü. wegen Zuhälterei ermittelt und er zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde. Im Ehrenmord-Prozess schwiegen die Angeklagten und stritten die Tat ab.

Eine entscheidende Wende lieferten die drei Ehefrauen, die den Angeklagten vor 23 Jahren noch ein Alibi gaben. Sie packten nun als Zeugen aus. Zu verlieren hatten sie nichts mehr. Auch sie wurden von ihren Männern jahrelang betrogen. Hohe Beweiskraft hatte die Aussage von Senol Ü.s Ex-Frau. Er gestand ihr die Tat.

Die Strafverteidiger Florian Ufer, Andreas von Máriássy und Rona Narlioglu kündigten Revision vor dem Bundesgerichtshof an. Sie hatten in dem Indizien-Prozess einen Freispruch gefordert.

Torsten Huber

 

0 Kommentare