München Dominik Brunner: Zwölf Minuten – und doch zu spät

Das Opfer des Solln-Dramas: Dominik Brunner Foto: dpa

MÜNCHEN - Mord an Dominik Brunner: Laut der Augenzeugin Sarah (13) waren Rettungssanitäter schneller am Sollner S-Bahnhof als die Polizei – die will das jetzt mit einem Gutachten widerlegen. "Die Zeit war einfach gegen uns", sagt ein Sprecher.

 

Die feige und blutige Tat an der S-Bahnstation in Solln liegt über eine Woche zurück – einige Umstände des Einsatzes rund um den Mord an Dominik Brunner († 50) sind aber noch nicht klar. Zumindest eine wichtige Frage ist jetzt geklärt: Wie lange dauerte es, bis die Polizei am Tatort eintraf? Die Antwort: Zwölf Minuten. So viel Zeit verging vom Anruf Dominik Brunners bei der Polizei bis zum Eintreffen der Beamten an der S–Bahnstation Solln. Doch als die Beamten auf den Bahnsteig kamen, lebte Brunner nicht mehr – Sebastian L. (17) und Markus S. (18) hatten ihn zu Tode geprügelt.

„Wir haben eine saubere Weste. Man kann uns keinen Vorwurf machen“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Wenger. Die Einsatzzeit von zwölf Minuten sei angesichts der Wegstrecke normal. Zum Beweis veröffentlicht die Polizei das Zeit-Protokoll des Einsatzes. Daraus ergibt sich folgender Ablauf: Um 16.05 Uhr wählt Dominik Brunner die 110. Sachlich und ruhig erklärt er, dass Kinder bedroht werden. Womöglich zu ruhig, denn laut Wenger, „gab es zunächst keine Hinweise auf Gewalt“. Darum ist die Streife, die um 16.10 Uhr von der Polizeiinspektion Forstenried in der Drygalski-Allee aufbricht, noch nicht mit Blaulicht unterwegs. Das wird nur bei Gefahr für Leib und Leben eingesetzt.

Erst als um 16.11 Uhr und 16.12 Uhr weitere Zeugen von einer Prügelei in Solln berichten, schaltet die Polizei auf Blaulicht um. Um 16.13 Uhr melden sich noch zwei Zeugen, jetzt verständigt die Polizei auch die Rettungsleitstelle. Notarztwagen der Aicher Ambulanz starten um 16.13 Uhr von der Tölzer Straße aus und erreichen mit der Polizei um 16.17 Uhr die S-Bahnstation.

Doch traf die Polizei tatsächlich zeitgleich mit den Sanitätern am Tatort ein? Die 13-jährige Augenzeugin Sarah sagte der AZ nach Brunners Tod: „Die (Sanitäter, Anm. d. Red.) waren ganz schnell da. Noch vor der Polizei.“ Sarah war eines jener Kinder, die Dominik Brunner in der S-Bahn vor den beiden Schlägern beschützte, bevor er selbst zu ihrem Opfer wurde. Wolfgang Wenger widerspricht dem Mädchen: „Das ist falsch. Die Protokolle belegen, dass Polizei und Sanitäter zeitgleich da waren.“

Zwölf Minuten – und doch zu spät, um Dominik Brunner zu retten. „Jeder von uns wäre gerne schneller gewesen“, sagt Wenger. „Die Zeit war einfach gegen uns.“

rke

 

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