München Der Traum vom großen Geld - Ex-Siemens-Manager heimlich abgehört

Ex-Siemens-Manager Michael Christoforakos Foto: AP

MÜNCHEN - Drei Männer sollen versucht haben, für einen international gesuchten Siemens-Manager bei den Behörden abzukassieren. Nun ist das Trio selber angeklagt: Wegen heimlicher Tonaufnahmen.

 

Die Ermittler sind sich sicher: Detektiv Peter T. (41), Kaufmann Karl S. (63) und Gastwirt Franz H. (46, alle Namen geändert) haben versucht, den damals flüchtigen Ex-Siemens-Manager Michael Christoforakos (54) bei den Behörden zu verpfeifen und dafür eine Belohnung zu kassieren. Daraus wurde nichts.

Jetzt kommt es noch schlimmer für das Trio: Sie stehen nun selber im Verdacht, ein Gespräch des Managers mit seinen Anwälten heimlich aufgezeichnet zu haben. Wegen Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes sollten sich die drei nun vor dem Amtsgericht verantworten. Der Prozess musste auf den 3. Mai verschoben werden, weil Peter T. dank ärztlichem Attest nicht zum Termin erschien.

Anwalt Thomas Blume spricht von „mangelndem Tatverdacht“. Zu Unrecht beschuldigt? Für Karl S. wäre dies keine neue Erfahrung. Er saß bereits einmal unschuldig in U-Haft. Der Schauspieler Günther Kaufmann hatte ihn der Beihilfe zum Mord bezichtigt, den Vorwurf später zurückgenommen und seinem Spezl Schadenersatz bezahlt.

Der aktuelle Fall: Der frühere Siemens-Manager Michael Christoforakos hatte von 1996 bis 2007 Siemens Griechenland geleitet. Die griechische Justiz ermittelt gegen den gebürtigen Griechen mit griechischem und deutschem Pass. Der Vorwurf: Er soll die beiden großen Parteien in Griechenland geschmiert haben, um an öffentliche Aufträge zu gelangen.

Als die griechische Justiz gegen Michael Christoforakos die Ermittlungen aufnahm, flüchtete der Manager nach Deutschland. In München besprach er sich mit seinen Anwälten. Da ein internationaler Haftbefehl bestand, versteckten sie Christoforakos im Juni 2009 in der Nähe Rosenheims beim Gastwirt Peter T. – für 100 Euro am Tag.

Als er herausbekam, wem er Unterschlupf gewährte, sei Peter T. mit seinen Spezln auf die Idee gekommen, ein Gespräch des Managers mit dessen Anwälten aufzuzeichnen und den griechischen Behörden zu verkaufen. Am 23. Juni 2009 zwischen 18 und 21 Uhr soll das versteckte Diktiergerät des Detektivs mitgelaufen sein. Doch aus dem großen Geschäft wurde nichts. Schon zwei Tage später wurde Christoforakos festgenommen, das DVD-Material des Trios sichergestellt.

jot, th

 

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