München Der kalte Winter in München: „Ich seh das sportlich“

Postbotin Stefanie Schmidt Foto: Gregor Feindt

MÜNCHEN - Gefühlt 9 Grad Minus, 15 Zentimeter Schnee am Marienplatz – wie die Münchner mit der Kälte umgehen. Die meisten kommen gelassen und gut gelaunt durch den Schnee

 

Mit dem kleinen Elektromotor am Radl ist die Geschichte halb so schlimm.“ Sie kennen die Tricks, die hartgesottenen Münchnerinnen und Münchner, wie die Postbotin Stefanie Schmidt. Sie ist es gewohnt, bei Wind und Wetter im Freien zu arbeiten. Die junge Frau tritt auch unter widrigsten Umständen noch in die Pedale ihres gelben Dienstfahrzeugs.

Die schweren Taschen sind gerade bei Schnee hilfreich - sie drücken das Rad auf den Boden und verbessern die Balance, sagt sie. „Ich bin bisher noch nicht über den Lenker geflogen. Und zwischen den Haustüren jogge ich die Wege, um warm zu bleiben.“ Spricht’s und fährt gegen den den frostigen Wind davon.

Winter in der Stadt. Tief „Jennifer“ hat Einzug gehalten, 15 Zentimeter Neuschnee in der City inklusive. Der Wind bläst durch den Anorak, die Flocken kommen gelegentlich von allen Seiten. Auf und neben den Straßen in München türmen sich kleine Schneeberge, die Autos pflügen im Schneckentempo durch den grauen Matsch.

Wer am Donnerstag mit der S-Bahn unterwegs war, hatte bei Verspätungen von bis zu 50 Minuten wenigstens genug Zeit, sich warme Gedanken zu machen. Manche waren glücklich, im geheizten Büro anzukommen.

Der Schneeräumer Ymer Berisha hat’s vergleichsweise gemütlich. Der 35-Jährige arbeitet bei der privaten Straßensäuberungsfirma „parolex“ im Auftrag der Stadt. An Tagen wie diesem ist er schon gegen drei Uhr morgens unterwegs. Mit seinem beheizten kleinen Schneeräummobil kurvt er durch die Straßen, schippt die Gehwege frei und streut, wo’s nötig ist. „Wir machen die Arbeit im Schichtwechsel. Insgesamt sind wir 25 Mitarbeiter. Ich freue mich aber auch wieder auf den Frühling, wo ich dann für die Straßenreinigung zuständig bin.“

Knapp unter dem Gefrierpunkt lagen die Temperaturen, gefühlt warten es aber minus neun. Auch Steffen Kühne kämpft unermüdlich gegen die Folgen des weißen Tiefs.

Als Hausmeister betreut er zehn Anlagen von Großhadern bis Giesing - gerade im Hochwinter ein Schwerstarbeit. „Ich bin heut’ früh um halb 4 Uhr zum Schneeräumen raus. Zu spät, wie ich feststellen musste. Die Schneeverwehungen machen meine Arbeit zur Sisyphos-Aufgabe. Das ist so effektiv, wie Wasser in die Isar zu schütten.“

Der Pensionär Wolfgang Hendlmeier sieht das Ganze sehr entspannt am Sollner Straßenrand. Obwohl er einen Räumdienst verpflichtet hat, ist sich der Sollner nicht zu schade, zwischendurch selbst Hand anzulegen. „Ich sehe das als sportliche Angelegenheit. Es muss ja gemacht werden und ist ein gutes Workout.“

Um den Rücken mache er sich keine Sorgen mehr. „Der ist in meinem Alter eh schon hin.“ scherzt er und widmet sich wieder der Schaufel. Es ist die Einstellung, die den Unterschied macht.

Stephanie Dahlem

 

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