München Der Eurostar ist jetzt ein Russe

Kommt heuer als Eurostar-Ersatz auf die Wiesn: Die Alpina-Bahn ist ein attraktives Familienfahrgeschäft. Foto: AZ

Wiesn-Aus für die Looping-Maschine "Eurostar". 13 Jahre nach seiner Premiere auf dem größten Volksfest der Welt ist das Fahrgeschäft verkauft worden. An die Russen. Dafür kommt jetzt die „Alpina Bahn“.

MÜNCHEN Vielleicht war es Reinhard Wieczorek, der die Fahrt im Eurostar am besten beschrieben hat: „Ich hab' zweimal gedacht, jetzt katapultiert's mich in den Himmel naus“, berichtete Münchens Wirtschaftsreferent, nachdem er die Fahrt in der bodenlosen Achterbahn schadlos überstanden hatte.

Die Höllenmaschine, die ihre Insassen mit bis zu 100 Stundenkilometern in die Sitze presste, war seit über zehn Jahren das absolute Highlight auf dem Oktoberfest. Es gibt wohl kaum einen Achterbahn-Fan, der im Euro Star nicht mindestens ein Mal seine Grenzen getestet hat.

Doch heuer wird man sich den Nervenkitzel woanders holen müssen. Den Eurostar gibt’s nicht mehr. 13 Jahre nach seiner Premiere auf dem größten Volksfest der Welt ist das Fahrgeschäft verkauft worden. An die Russen.

Eurostar geht nach Moskau

Statt in München wird der Eurostar in Zukunft im Gorki-Park in Moskau zu finden sein. In dem Vergnügungspark am Ufer der Moskwa soll er einen festen Platz bekommen. Die Rede ist von rund vier Millionen Euro, die das Fahrgeschäft den Besitzern, der Familie Bruch, eingebracht haben soll.

Und was wird aus den Münchnern? Die müssen sich in Zukunft mit der Alpina Bahn begnügen. Wie der Wirtschaftsausschuss der Stadt gestern beschlossen hat, soll die nicht mehr ganz taufrische Achterbahn, die bereits 1994 unter dem Namen „Himalaya-Bahn“ am Oktoberfest zu finden war, der Nachfolger des Eurostars werden.

Alpina Bahn ohne Loopings

Die Alpina Bahn bietet zwar eine rasante Fahrt, kommt im Gegensatz zum Eurostar aber komplett ohne Loopings aus. „Als Familien-Fahrgeschäft leistet dieses Fahrgeschäft allerdings einen weiteren Beitrag zu einer familienfreundlicheren Wiesn“, freut sich Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl über die Entscheidung.

Trotzdem ist die Trauer um den Eurostar groß: „Für München ist das ein großer Verlust“, sagt der Ingenieur Andreas Wild, der gemeinsam mit Werner Stengel das Fahrgeschäft entwickelt hat. Noch immer ist es etwas Besonderes, mit hängenden Füßen in einer Achterbahn zu sitzen: „Das war schon außergewöhnlich.“

Eine gefährliche Attraktion

Allerdings war der Eurostar nie ganz unumstritten. Unvergessen ist der Vorfall vom 30.September 1996, als ein Zug ungebremst auf einen anderen auffuhr. 30 Personen wurden damals verletzt. Gegen einen Prüfer des Technischen Überwachungs-Vereins wurde ein Strafbefehl wegen fahrlässiger Körperverletzung erwirkt. Der Eurostar war trotzdem weiter eine Attraktion.

Dass die Wiesn auch ohne das Fahrgeschäft ein Publikums-Magnet bleibt, davon ist Weishäupl überzeugt. Schließlich sind die Reservierungen schon jetzt beeindruckend. Und auch das Interesse von russischen Besuchern nimmt immer mehr zu: „Das ist eine neue Nation, mit der zu rechnen ist“, hieß es beim Fremdenverkehrsamt. Die Münchner sollten gewarnt sein.

Daniel Aschoff

 

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