München Christian Ude im Interview: „Eine Schnapsidee“

Strandfeeling mitten in der Stadt – in München gestaltet sich das ein bisserl schwierig, und das aus vielen Gründen. Foto: Daniel von Loeper

Hick-Hack über den Kulturstand in München: Droht das Projekt am Behörden-Klein-Klein zu scheitern? Der Oberbürgermeister verteidigt die Verwaltung und will das Strand-Projekt künftig ausschreiben.

 

AZ: Überall in Großstädten gibt es Stadtstrände – in München steht das Projekt heuer auf der Kippe. Warum?

CHRISTIAN UDE: Ich kenne die Situation in einigen der als Vorbild gepriesenen Städte. Die Ufer der Seine in Paris sind versteinert. In Berlin fließt die Spree im Regierungsviertel durch Ödland. Da macht es Sinn, Unorte zu beleben. In München ist die Situation eine völlig andere, weil die Isar durch eine naturbelassene Stadtlandschaft fließt. Wir haben keine Unorte an der Isar.

Hat München also keinen Bedarf für einen Kulturstrand?

Die Idee, vernachlässigte Plätze zu beleben, ist durchaus auch für München geeignet. Nur haben sich die Urbanauten für ihre Veranstaltungen in der Vergangenheit immer besonders schöne Plätze herausgepickt. Daher haben wir zu ihnen gesagt: Die Idee an sich ist gut, aber man braucht auch geeignete Orte.

Und die Corneliusbrücke ist kein solcher Ort?

Als ich als Radlfahrer dort vorbei gekommen bin, habe ich selbst keine Störung für Nachbarn empfinden können – mir schien das ein geeigneter Ort. Aber der Stadtrat meinte, die Urbanauten sollten ihre eigene Idee, Brachen zu beleben, doch auch mal umsetzen.

Die Veranstalter haben ja auch Ersatz-Orte genannt – aber alle wurden abgelehnt.

Es ist bedauerlich, dass die Urbanauten nur sieben Vorschläge gemacht haben. Wobei drei davon schon mal abgelehnt worden waren, weil sie im Landschaftsschutzgebiet liegen. Sie haben sich nur prominente Plätze ausgesucht, weil sie dort gute Umsätze generieren können, mit denen das Kulturprogramm refinanziert wird. Ich möchte lesen, was Ihre Zeitung schreibt, wenn wir für Monate die Hackerbrücke sperren – so wie die Urbanauten es vorschlagen. Eine Schnapsidee. Es ist offenkundig Bestandteil ihrer Strategie, sich über die Verwaltung lustig zu machen.

Viele glauben, dass das Projekt am Behörden-Klein-Klein zu scheitern droht.

Meiner Meinung nach droht es gar nicht zu scheitern. Die Verwaltung hat doch die Corneliusbrücke als Standort wiederholt vorgeschlagen. Es waren Bürger, Anwohner und der Bezirksausschuss, die sich dagegen gewehrt haben. Und es war der Stadtrat, der Ersatzstandorte forderte. Der Verwaltung kann man also keinen Vorwurf machen.

Das Projekt platzt also nicht?

Ich werde dafür plädieren, dass der Stadtrat den Verwaltungsvorschlag akzeptiert. Ein völliges Scheitern wäre bei der Corneliusbrücke nicht hinreichend zu erklären. Das Baureferat wird voraussichtlich vorschlagen: Der Kulturstrand findet heuer zunächst wieder an der Corneliusbrücke statt. Es kann sein, dass gleichzeitig ein Wechsel zu einem anderen Standort nahegelegt wird – und zwar noch innerhalb des Sommers.

Und 2011 – geht das Hickhack da von vorne los?

Für künftige Jahre ist denkbar, dass die Stadt von sich aus Plätze nennt, die für Strände in Frage kommen. Das sollen aber dann Plätze sein, die wirklich einer Aufwertung bedürfen. Das Projekt würde dann ausgeschrieben werden. Es gibt auch andere Veranstalter, die sowas bespielen könnten. Nicht nur die Urbanauten.

Haben die es sich verscherzt?

Das würde ich nicht sagen. Aber sie haben die Geduld schon sehr strapaziert. Die Verwaltung findet es nicht lustig, unbegründet an den Pranger gestellt zu werden. Interview: Julia Lenders

 

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