München Baustellen in München: Stress-Test für Radler

Illustration Foto: Ronald Zimmermann

MÜNCHEN - Wer mit dem Drahtesel durch München fährt, hat es zurzeit entweder mit Baustellen zu tun. Oder mit der Polizei: Nach zwei Wochen verstärkter Verkehrskontrollen zieht sie eine traurige Bilanz

 

Das Leben in München ist eine Baustelle. Am schlimmsten trifft es zurzeit die Radler, die zwischen Grillparzer Straße und Ostbahnhof unterwegs sind. Seit Wochen wird dort gegraben und gebaggert. Die Fahrbahn wird saniert. Die Sicherheit der Radler bleibt auf der Strecke.

Los geht das Vekehrschaos an der Einsteinstraße, Ecke Grillparzerstraße: Wer dort in Richtung Prinzregentenplatz radelt, wird überrascht. Denn der Radweg endet an der aufgerissenen Teerdecke aprupt. Viele Radler sind orientierungslos: Statt zuerst auf die linke Straßenseite zu wechseln, schlagen sie über die Autospur einen Bogen um die Baustelle – und fahren dann über den Fußgängerübergang an der Einsteinstraße. Ein riskantes Manöver. Die Fußgängerampel ist dort mit Plastikplanen verhängt. Auch Fußgänger laufen unbeirrt über die viel befahrene Straße. Nicht viel besser haben es Radler in der Orleanstraße. Ständig müssen sie wegen der Baustellen die Seiten wechseln, sich auf dem Gehweg an Fußgängern vorbeidrängeln, oder aber auf der Straße fahren. Auch dort wird’s eng, vor allem, wenn von hinten der Bus andüst. Auch die Autofahrer schimpfen über Umleitungen Richtung Ostbahnhof. Schon in der Prinzregentenstraße stehen sie wegen Baustellen im Stau.

Die Polizei spricht trotzdem davon, dass sie Radfahrer schützen will. Seit 20. Juli kontrolliert sie die Radler verstärkt – und reagiert damit auf die vielen Radunfälle im Sommer: Allein zwischen Anfang Juni und Mitte Juli ereigneten sich in München 550 Unfälle, bei denen Radler verletzt wurden (AZ berichtete).

Gut zwei Wochen nach Beginn der Radlkontrollen mit den Schwerpunkten Leopoldstraße, Nymphenburger Straße und Residenzstraße zog die Polizei gestern Bilanz: 1446 Mal stellte sie „ein Fehlverhalten“ fest. 366 Radler düsten bei Rot über die Ampel. 718 telefonierten mit dem Handy oder fuhren entgegen der Fahrtrichtung. Nur 20 Prozent der Münchner Radler tragen einen Helm, schätzt die Polizei – Kinder öfter, ihre Eltern dagegen selten. Lebensrettend war der Helm für einen 29-jährigen Radler, der am Mittwoch in der Ismaninger Straße von einem Auto gestreift wurde und stürzte. Er kam mit einem gebrochenen Schlüsselbein davon. Anne Hund

 

0 Kommentare