München Abgezockt mit "Wundermaschinen": Betrüger geschnappt

Falscher Erfinder und Münchner Millionen-Betrüger: Der Südafrikaner Michael „Mike“ B. Foto: Screenshot/AZ

MÜNCHEN/ZÜRICH - Mit einem absolut schadstofffreien Antrieb, den es nie gab, betrog er Kunden in aller Welt. Jetzt sitzt der Münchner in U-Haft.

Michael James B. ist ein Mann mit einer Mission: Das Klima retten, Mensch und Natur in Einklang bringen, die Welt besser machen – und das alles mit einem Magnetmotor. Das Wunderding wandelt Erdanziehungskraft in Energie um, ist umweltfreundlich und schadstoffneutral. Es läuft und läuft, und das ganz von selbst. Eine technische Revolution? Nein – ein Millionen-Betrug made in Munich.

Die Geschichte des Südafrikaners und Münchner Unternehmers Michael, genannt „Mike“ B. ist ein so unglaubliches wie unglaubwürdiges Ganovenstück – womöglich hat es deshalb zwei Jahre lang so gut funktioniert. Seit dem 29. März sitzt B. in München in U-Haft. Die Schweizer Behörden haben den international gesuchten Kriminellen in verhaftet und nun an die Münchner Justiz ausgeliefert.

Über das Internet hatte der selbsterklärte Erfinder zunächst von Grünwald aus seine (nicht existierende) Wundermaschine in aller Welt angepriesen. Die Nobelpreis-verdächtige Erfindung verhökerte der Unternehmer online zum Schleuderpreis von 40.000 bis 60.000 Euro – natürlich gegen Vorkasse.

Der Münchner Polizei sind 40 Fälle bekannt, bei denen Kunden bei Mikes Firma „Perendev Power“ die Zukunftsmotoren bestellten, den halben Preis vorab bezahlten und bis heute auf die Ware warten. Für den Betrüger lohnte sich die Abzocke: Laut Polizei entstand ein Schaden von einer Million Euro. Heißt: Mike B. wurde dank des Betrugs zum Millionär. Und so lebte er auch. Vor zwei Jahren zog er von Grünwald nach Wollerau am Zürichsee, in die Nachbarschaft von Tennis-Star Roger Federer. Sein Fuhrpark bestand aus einem Maserati und anderen Luxusschlitten. Von Magnetmotoren werden die nicht angetrieben.

Nachbarn aus Wollerau kennen den Mann mit dem blonden Schnurrbart und der Vokuhila-Frisur als „freundlichen“ Menschen, der offen erzählte, er sei in Südafrika Polizist gewesen. Zwar ist B. laut Polizei verheiratet, doch es heißt, B. habe oft Besuch von verschiedenen Frauen gehabt und sonst nur mit zwei Katzen sein Zuhause geteilt.

„So sympathisch er war – wir haben uns alle gefragt, was der Typ eigentlich macht“, erklärt ein Anwohner. Dass sein Nachbar ein Millionen-Betrüger mit Scheinfirmen in München, Spanien, Russland und Südafrika sein könnte – daran glaubte in Wollerau freilich niemand.

Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen Michael B. wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 40 Fällen und 21 versuchten Fällen. Ihm droht eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren. Auf seiner Homepage erklärt B. den potentiellen Käufern seines Wundermotors noch immer: „Danke für ihre Mithilfe zur Rettung der Umwelt.“

Reinhard Keck

 

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