München A 380 "München" Botschafter mit Tragflächen

Illustration Foto: dpa

MÜNCHEN - Ein Riesenvogel: 526 Passagiere und 410 Tonnen Gewicht: Ab sofort trägt ein A 380 den Namen der Stadt München – die AZ war bei der Taufe und dem Rundflug über die Alpen dabei.

 

Was für ein Trumm! Schon bei der Fahrt übers Vorfeld ist der Gigant der Lüfte schnell zu erkennen: Er überragt alle anderen Flieger um Längen. Kein Wunder angesichts seiner Maße: 73 Meter Länge, 29 Meter Höhe, drei Etagen, maximal 526 Passagiere. Der zweite Lufthansa-Airbus A380 startete gestern von München aus zu zwei ungewöhnlichen Trips, nachdem er auf den Namen München getauft worden war. Die AZ war beim Alpenrundflug mit dem Riesenvogel dabei.

Schon in aller Früh und mit 20 Minuten Verfrühung war die – zu diesem Zeitpunkt noch künftige – München am Airport eingeschwebt. Viele Flieger-Fans hatten da offenbar die Zeit vor dem Arbeitsbeginn genutzt, um einen Blick auf den Riesenvogel zu werfen. In der Nähe der Wartungshalle wurde der A 380 abgestellt und noch einmal für seinen großen Auftritt fein gemacht. Bei der Tauf-Zeremonie am späten Vormittag machen schließlich die lokalen Promis ihre Aufwartung.

Nach den einführenden Worten von Thomas Klühr, dem Münchner Lufthansa-Statthalter, schritt Taufpatin Edith von Welser-Ude, die Frau von Oberbürgermeister Christian Ude, mit einem Krügerl Isarwasser zur Tat. Neben vielen anderen Ehrengästen mit dabei: Lufthansa-Vize Christoph Franz, Airport-Chef Michael Kerkloh und Verkehrsminister Peter Ramsauer.

Besonders spannend war der Tag für die Teilnehmer an den beiden Alpenrundflügen. Sie hatten ziemlich fix sein müssen, um eines der begehrten Tickets zu ergattern. Interessant: Die jeweils acht First Class-Plätze zum Preis von maximal 999 Euro waren am schnellsten weg. Vielleicht lag's daran, dass man für – vergleichsweise – kleines Geld endlich einmal den kompletten First-Luxus testen konnte: Die Lounge, den Shuttle im Luxus-Auto direkt an die Maschine und retour. Und dann natürlich den Komfort der bei umbaubaren Sitze: Bei Bedarf lassen sie sich umbauen zum brettlebenen Bett. Kein Schnäppchen: Wer erster Klasse nach New York jetten will, muss dafür schlappe 8144 Euro anlegen.

„Ich habe mir den Flug selbst zum 70. Geburtstag geschenkt“, sagt First-Gast Heinz Pöhler aus München. Immer schon wollte er Jumbo fliegen, doch das hat nie geklappt. Darum buchte er sofort seinen Platz per Internet, als er vom A 380-Rundflug hörte: „Ich habe gerade noch den letzten erwischt“, freute er sich an Bord der Maschine.

Aber auch die Passagiere auf den günstigen Plätzen kamen auf ihre Kosten. Für 99 Euro konnten sie zwar auf ihren Eco-Mittelplätzen nicht wirklich gut aus den Fenstern schauen. Aber dank der drei Kameras an Bug und Leitwerk der „München“ verfolgten sie alle Umgebungs-Details auf den Bildschirm direkt vor ihrer Nase auf der Rückseite der Vordersitze mit – live und in Farbe.

Geboten wurde auf dem Kurztrip so einiges. Ein knackiges Tragwerk-Wackeln gleich nach dem butterweichen Start. Eine enge Runde um die leider ziemlich wolkige Zugspitze. Ein Vollkreis um den Großglockner gleich nach einem Gruß runter zum Flughafen von Innsbruck, wo viele Schaulustige auf den Überflug des großen Fliegers warteten.

Dann nahm die „München“ Kurs auf Salzburg, simulierte einen regulären Anflug, um dann kurz vor dem Touchdown dynamisch durchzustarten. Überhaupt die Dynamik. Unglaublich, welch’ enge Kurven der Flieger drehen kann. Inklusive Passagiere brachte die Rundflugmaschine satte 410 Tonnen in die Luft. Doch sie beschreibt Kurven so eng, dass in der Kabine fast so etwas wie ein Achterbahn-Gefühl aufkommt. Das Durchstarten in Salzburg – huihuihui: Gekreisch, kurze glückliche Schreie und Jubel in der Kabine, als die München abgeht wie die Luzie und dann einen schnellen Schwenk hinlegt, der direkt in die Magengrube geht. Das kann auch der Fünferlooping auf der Wiesn nicht mehr toppen.

Und dann die Landung in München nach 870 unvergesslichen Kilometern in der Luft: butterweich, sanft und sehr magenschonend. Die Passagiere sind happy und klatschen wie im Charterflieger – aber in diesem Fall war der Beifall vollauf berechtigt. Denn neben dem Spaß an der Freud’ hatten die zwei Rundflüge auch einen wirklich guten Zweck: 100 000 Euro kamen für die Lufthansa-Hilfsorganisation „Help Alliance“ zusammen.

Rudolf Huber

Das Video zur Taufe

 

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